Wie gesund sind eigentlich Milchprodukte?

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Wie gesund sind eigentlich Milchprodukte? + Rezept

„Drei Gläser Milch am Tag können tödlich sein“ lautete der Titel eines Artikels in der Bild am 29.10.2014. (Kuh-)Milch sei für Kälber da, verursache Osteoporose und Krebs – zumindest nach den Aussagen von einigen Veganern, selbst ernannten Ernährungsexperten und Heilpraktikern. Auf der anderen Seite stehen die Vertreter der Milchindustrie, viele Ärzte und Ernährungsberater: Milchprodukte seien eine wichtige Kalziumquelle und damit unerlässlich für den Knochenaufbau, sie stellten wichtige Vitamine und Proteine zur Verfügung, kurz: sie gehörten auf den täglichen Speiseplan.

Welche Seite hat denn nun Recht?

Um diese Frage zu beantworten, ist es zunächst einmal notwendig, sich wieder einmal genauer mit der Frage „Wie gesund sind eigentlich Milchprodukte?“ an sich auseinanderzusetzen. Es ist sinnvoll, auch hier wieder das Wörtchen „für“ einzubringen, also: Wie gesund sind Milchprodukte für denjenigen, der einer Osteoporose/Krebs/… vorbeugen möchte? Was bei der gesamten Debatte zudem meistens übersehen wird, – selbst wenn die Kontrahenten sich hierbei auf Studien berufen – ist, dass es eine breit gefächerte Palette von unterschiedlichen Milchprodukten mit besonderen Eigenschaften gibt, für die sich die Studienergebnisse teilweise diametral unterscheiden. Joghurt z.B. weist eine ganz andere Makronährstoffzusammensetzung auf als beispielsweise Milch und enthält zusätzlich noch Milliarden von Bakterien. Er muss demnach als ein ganz anderes Lebensmittel betrachtet werden.

Ein weiterer Punkt kommt noch hinzu, den ich an dieser Stelle mal generell anmerken möchte: In pseudowissenschaftlichen Auseinandersetzungen über die Vorzüge bzw. Nachteile von bestimmten Lebensmitteln wird häufig der Fehler begangen, dass Aussagen über einen bestimmten Inhaltsstoff eines Nahrungsmittels auf dieses selbst übertragen werden. Beispiel: Man nehme an, dass in Studien gezeigt wurde, dass eine hohe Kalziumaufnahme vor Osteoporose schützt. Milch enthält viel Kalzium, also wird daraufhin kurzum behauptet, dass Milchkonsum bzw. Milch selbst vor Osteoporose schützt. Dies ist aber ganz klar ein Fehlschluss! Milch ist eben nicht = Kalzium, sondern = (Kalzium + sehr viele weitere Inhaltsstoffe), die einzeln ihre ganz eigenen Wirkungen auf den menschlichen Körper haben, und in ihrer Verbindung konsumiert noch einmal anders wirken können. Aussagen über die Osteoporose-Prävention mithilfe von Milch können also nur durch diejenigen Studien möglich gemacht werden, in denen der Zusammenhang von Milchkonsum und Osteoporose näher betrachtet wird.

In diesem Blogpost untersuche ich also den Zusammenhang zwischen dem Konsum von unterschiedlichen Milchprodukten und dem Risiko für bestimmte Erkrankungen bzw. die Gesamt-Mortalität (das allgemeine „Sterberisiko“).

Milchprodukte, Mortalität und Knochenbrüche/Osteoporose

Der oben genannte Bild-Artikel bezieht sich auf eine 2014 veröffentlichte schwedische Studie1)Michaëlsson, Karl; Wolk, Alicja; Langenskiöld, Sophie; Basu, Samar; Warensjö Lemming, Eva; Melhus, Håkan; Byberg, Liisa (2014): Milk intake and risk of mortality and fractures in women and men: cohort studies. In: BMJ 349. unter Michaëlsson et al., die prospektiv die Assoziation von Milchprodukt-Verzehr mit der Mortalität und der Häufigkeit von Knochenbrüchen untersuchte. Untersuchungsgegenstand waren zwei große Kohorten von schwedischen Männern (45.339) und Frauen (61.433). Ergebnis: Bei sowohl Frauen als auch Männern war ein höherer Milchkonsum (3 oder mehr Gläser Milch/Tag) mit einer höheren Sterberate assoziiert (relatives Risiko im Vergleich zu weniger als einem Glas/Tag: 1,93). Zusätzlich hatten die Frauen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, wenn sie viel Milch tranken. Bei fermentierten Milchprodukten wie Joghurt und Käse drehte sich diese Assoziation allerdings um: Bei den Frauen war ein höherer Konsum mit einer niedrigeren Mortalität und Knochenbruchrate verbunden; ebenfalls bei den Männern, wenn auch etwas schwächer. Die Forscher wollten diese Ergebnisse damit erklären, dass Galactose, ein bestimmter Zucker in Milchprodukten, schädliche Auswirkungen hat – wie in vielfachen Tierversuchen gezeigt, setzt die Verabreichung dieses Zuckers den Alterungsprozess in Gang, führt zu oxidativem Stress, Entzündungen, und sogar einem schlechteren Gedächtnis2)Haider, Saida; Liaquat, Laraib; Shahzad, Sidrah; Sadir, Sadia; Madiha, Syeda; Batool, Zehra et al. (2015): A high dose of short term exogenous d-galactose administration in young male rats produces symptoms simulating the natural aging process. In: Life Sci 124, S. 110–119. DOI: 10.1016/j.lfs.2015.01.016.. Allerdings übersahen sie hierbei die Tatsache, dass Joghurt nicht weniger Galactose enthält als Milch3)http://www.bmj.com/content/349/bmj.g6015/rr/778979. Auch Käse enthält meist nur etwas weniger Galactose als Milch; jedenfalls nicht so viel weniger, dass dies die Hypothese der Forscher stützen würde. Bislang ist also noch unklar, warum fermentierte Milchprodukte im Gegensatz zu reiner Milch einen positiven Effekt auf Mortalität und Knochengesundheit haben.

Fazit: Den Milchkonsum reduzieren, wenn man weiblich ist und Knochenbrüchen vorbeugen möchte. In Bezug auf die Mortalität positive und negative Wirkungen von Milchprodukten gegeneinander abwägen (s.u.). 

Milchprodukte und Krebs

Zunächst einmal ist „Krebs“ weniger eine Erkrankung, sondern vielmehr eine Gruppe von mehr als 100 Erkrankungen, bei denen es jeweils zu einem unkontrollierten Wachstum, zu einer Invasion und manchmal auch Metastasenbildung von ganz unterschiedlichen Zelltypen kommt. Dementsprechend sind Pauschalaussagen wie „Milch schützt vor Krebs.“ bzw. „Milch verursacht Krebs.“, wie sie manche selbst ernannte „Milch-Gegner“ zu gerne verwenden, prinzipiell nicht sinnvoll zu treffen. Ich werde im Folgenden einige Krebserkrankungen und ihre Assoziation zu verschiedenen Milchprodukten (aktuelle Trends in der Studienlage) stichpunktartig auflisten, da die Ausformulierung hier einfach den Rahmen sprengen würde. Bei spezielleren Nachfragen dürft ihr mich gerne anschreiben. :) Die Liste wird mit weiteren Studien in regelmäßigen Abständen aktualisiert und noch um Angaben zum relativen Risiko ergänzt werden. 

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass bestimmte Milchprodukte vor spezifischen Krebserkrankungen schützen können, vor anderen wiederum nicht, bzw. fördern sie sogar einige Arten von Krebs – zumindest statistisch gesehen. Hierbei ist aber zu beachten, dass z.B. eine Erhöhung des relativen Risikos (ein gern verwendeter statistischer Begriff) nicht viel darüber aussagt, ob das eigene absolute Risiko an Krebs zu erkranken durch den Verzehr von Milchprodukten tatsächlich so stark ansteigt, dass man auf sie verzichten müsste. Ein vereinfachtes Beispiel: Durch den Verzehr von Milchprodukten ist das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, um 12% erhöht (Relatives Risiko: 1,12)4)Song, Yan; Chavarro, Jorge E.; Cao, Yin; Qiu, Weiliang; Mucci, Lorelei; Sesso, Howard D. et al. (2013): Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians. In: J Nutr 143 (2), S. 189–196. DOI: 10.3945/jn.112.168484.. Nehmen wir an, dass Männer, die keine Milchprodukte verzehren, mit einer Wahrscheinlichkeit von 14% an Prostatakrebs erkranken, d.h. 14 von 100 Männern erkranken an Prostatakrebs (Das absolute Risiko für einen Mann, jemals an Prostatakrebs zu erkranken, beträgt übrigens ca. 14%5)http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/genetics/prostate/HealthProfessional/page1. Würden diese Männer dann alle Milchprodukte verzehren, würden 15,8 von ihnen an Prostatakrebs erkranken, da sich das Risiko um 12% erhöht – d.h. 1,68 Personen mehr, bzw. eine absolute Wahrscheinlichkeit für jeden einzelnen von 15,8%. Ein erhöhtes Risiko muss demzufolge noch keine drastische Steigerung der Krebswahrscheinlichkeit bedeuten!

Fazit: Bevor man etwas an seinem Konsum von Milchprodukten ändert, sollte man die Literatur wirklich sehr genau studieren. Unter Einbeziehung einer Risikofaktoren (Rauchen, Bewegungsmangel, genetische Risiken) kann man dann entscheiden, ob man lieber auf bestimmte Milchprodukte verzichtet oder sie sogar vermehrt konsumiert. 

Legende

Risiko erhöht

Risiko erniedrigt

Keine signifikante Assoziation

Dickdarm-/Enddarmkrebs

Milch (nur bei Männern)6)Ralston, Robin A.; Truby, Helen; Palermo, Claire E.; Walker, Karen Z. (2014): Colorectal cancer and nonfermented milk, solid cheese, and fermented milk consumption: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. In: Crit Rev Food Sci Nutr 54 (9), S. 1167–1179. DOI: 10.1080/10408398.2011.629353., Milch und Gesamtkonsum von Milchprodukten7)Aune, D.; Lau, R.; Chan, D S M; Vieira, R.; Greenwood, D. C.; Kampman, E.; Norat, T. (2012): Dairy products and colorectal cancer risk: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. In: Annals of oncology : official journal of the European Society for Medical Oncology / ESMO 23 (1), S. 37–45. DOI: 10.1093/annonc/mdr269.8)Norat, T.; Riboli, E. (2003): Dairy products and colorectal cancer. A review of possible mechanisms and epidemiological evidence. In: European journal of clinical nutrition 57 (1), S. 1–17. DOI: 10.1038/sj.ejcn.1601522.

Joghurt, Käse9)Ralston, Robin A.; Truby, Helen; Palermo, Claire E.; Walker, Karen Z. (2014): Colorectal cancer and nonfermented milk, solid cheese, and fermented milk consumption: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. In: Crit Rev Food Sci Nutr 54 (9), S. 1167–1179. DOI: 10.1080/10408398.2011.629353.10)Aune, D.; Lau, R.; Chan, D S M; Vieira, R.; Greenwood, D. C.; Kampman, E.; Norat, T. (2012): Dairy products and colorectal cancer risk: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. In: Annals of oncology : official journal of the European Society for Medical Oncology / ESMO 23 (1), S. 37–45. DOI: 10.1093/annonc/mdr269.11)Norat, T.; Riboli, E. (2003): Dairy products and colorectal cancer. A review of possible mechanisms and epidemiological evidence. In: European journal of clinical nutrition 57 (1), S. 1–17. DOI: 10.1038/sj.ejcn.1601522.

Magenkrebs

Milchprodukte12)Tian, Shu-bo; Yu, Jian-chun; Kang, Wei-ming; Ma, Zhi-qiang; Ye, Xin; Cao, Zhan-jiang (2014): Association between dairy intake and gastric cancer: a meta-analysis of observational studies. In: PLoS One 9 (7), S. e101728. DOI: 10.1371/journal.pone.0101728.

Prostatakrebs

Milchprodukte total13)Song, Yan; Chavarro, Jorge E.; Cao, Yin; Qiu, Weiliang; Mucci, Lorelei; Sesso, Howard D. et al. (2013): Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians. In: J Nutr 143 (2), S. 189–196. DOI: 10.3945/jn.112.168484.14)Chan, J. M.; Stampfer, M. J.; Ma, J.; Gann, P. H.; Gaziano, J. M.; Giovannucci, E. L. (2001): Dairy products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians‘ Health Study. In: Am J Clin Nutr 74 (4), S. 549–554.

fettarme Milch; nicht-aggressive, leicht detektierbare Form des Prostatakarzinoms15)Song, Yan; Chavarro, Jorge E.; Cao, Yin; Qiu, Weiliang; Mucci, Lorelei; Sesso, Howard D. et al. (2013): Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians. In: J Nutr 143 (2), S. 189–196. DOI: 10.3945/jn.112.168484.

Vollfett-Milch; aggressive Form des Prostatakarzinoms, Sterberisiko nach Diagnose16)Song, Yan; Chavarro, Jorge E.; Cao, Yin; Qiu, Weiliang; Mucci, Lorelei; Sesso, Howard D. et al. (2013): Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians. In: J Nutr 143 (2), S. 189–196. DOI: 10.3945/jn.112.168484.

Eierstockkrebs

sämtliche Milchprodukte17)Genkinger, Jeanine M.; Hunter, David J.; Spiegelman, Donna; Anderson, Kristin E.; Arslan, Alan; Beeson, W. Lawrence et al. (2006): Dairy products and ovarian cancer: a pooled analysis of 12 cohort studies. In: Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 15 (2), S. 364–372. DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-05-0484.

Laktose > oder = 30g/Tag vs. <10g/d18)Genkinger, Jeanine M.; Hunter, David J.; Spiegelman, Donna; Anderson, Kristin E.; Arslan, Alan; Beeson, W. Lawrence et al. (2006): Dairy products and ovarian cancer: a pooled analysis of 12 cohort studies. In: Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 15 (2), S. 364–372. DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-05-0484.

Brustkrebs

Milchprodukte19)Parodi, Peter W. (2005): Dairy product consumption and the risk of breast cancer. In: J Am Coll Nutr 24 (6 Suppl), S. 556S-68S.20)Moorman, Patricia G.; Terry, Paul D. (2004): Consumption of dairy products and the risk of breast cancer: a review of the literature. In: Am J Clin Nutr 80 (1), S. 5–14.

 

Milchprodukte und kardiovaskuläre (Herz-Kreislauf-) Erkrankungen

Zunächst einmal denken sehr viele Menschen intuitiv, dass Milchprodukte mit ihrem Cholesterin und ihrem hohen Gehalt an gesättigten Fetten eigentlich gar nicht gut „für das Herz“ sein können. Mehrere Studien21)Soedamah-Muthu, Sabita S.; Ding, Eric L.; Al-Delaimy, Wael K.; Hu, Frank B.; Engberink, Marielle F.; Willett, Walter C.; Geleijnse, Johanna M. (2011): Milk and dairy consumption and incidence of cardiovascular diseases and all-cause mortality: dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. In: Am J Clin Nutr 93 (1), S. 158–171. DOI: 10.3945/ajcn.2010.29866.22)Qin, Li-Qiang; Xu, Jia-Ying; Han, Shu-Fen; Zhang, Zeng-Li; Zhao, You-You; Szeto, Ignatius My (2015): Dairy consumption and risk of cardiovascular disease: an updated meta-analysis of prospective cohort studies. In: Asia Pac J Clin Nutr 24 (1), S. 90–100. DOI: 10.6133/apjcn.2015.24.1.09.23)Dalmeijer, Geertje W.; Struijk, Ellen A.; van der Schouw, Yvonne T; Soedamah-Muthu, Sabita S.; Verschuren, W M Monique; Boer, Jolanda M A et al. (2013): Dairy intake and coronary heart disease or stroke–a population-based cohort study. In: Int J Cardiol 167 (3), S. 925–929. DOI: 10.1016/j.ijcard.2012.03.094.24)Rice, Beth H. (2014): Dairy and Cardiovascular Disease: A Review of Recent Observational Research. In: Curr Nutr Rep 3 (2), S. 130–138. DOI: 10.1007/s13668-014-0076-4. zeigen jedoch das Gegenteil: Laut dieser Studien haben Milchprodukte entweder keinen Einfluss oder schützen sogar vor kardiovaskulären Erkrankungen wie z.B. der koronaren Herzkrankheit oder dem Schlaganfall. Allerdings gibt es auch hier unterschiedliche Ergebnisse für bestimmte Sorten von Milchprodukten (ein hoher Käsekonsum schützt Frauen z.B. vor Herzinfarkten, Butter auf dem Brot dagegen nicht)25)Patterson, Emma; Larsson, Susanna C.; Wolk, Alicja; Akesson, Agneta (2013): Association between dairy food consumption and risk of myocardial infarction in women differs by type of dairy food. In: J Nutr 143 (1), S. 74–79. DOI: 10.3945/jn.112.166330.; die Studienlage ist noch nicht eindeutig. Ich halte euch hierzu auf dem Laufenden!

Fazit: Sicherlich kann der Verzehr einer dicken Schicht Butter auf dem Brot in Bezug auf Herz-Kreislauferkrankungen nicht empfohlen werden, bislang muss man laut Studien aber nicht auf Milch, Joghurt oder Käse verzichten, wenn man sein Herz und die Gefäße gesund halten möchte. 

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Noch zwei allgemeine Bemerkungen zum Thema Milchprodukte und Gesundheit:

  • Milchprodukte von Tieren aus kontrolliert biologischer Haltung (vorzugsweise mit Bioland- oder Demetersiegel, die EU-Bio-Richtlinien sind mittlerweile zu locker) entstammen nicht nur Tieren, die artgerecht gehalten werden, sie weisen auch ein günstigeres Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren auf, das entzündungshemmende Wirkungen im Körper entfaltet26)Benbrook, Charles M.; Butler, Gillian; Latif, Maged A.; Leifert, Carlo; Davis, Donald R. (2013): Organic production enhances milk nutritional quality by shifting fatty acid composition: a United States-wide, 18-month study. In: PLoS One 8 (12), S. e82429. DOI: 10.1371/journal.pone.0082429.. Dies hängt vor allem mit ihrer Fütterung zusammen, denn ca. 60% ihres Futters muss Heu oder Gras sein, das die wertvollen Omega-3-Fettsäuren enthält.
  • Wer auf Milchprodukte verzichtet (ob aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen), muss sicherstellen, dass er über die Nahrung genügend Vitamin K2 aufnimmt. Dieses Vitamin ist den wenigsten bislang bekannt, wohl aber sein Namensvetter, das Vitamin K, das eigentlich Vitamin K1 heißt und wichtig ist für die Blutgerinnung. Vitamin K2 vermittelt dagegen noch ganz andere Wirkungen im menschlichen Körper (Vitamin K2 ist ein relativ neues Forschungsfeld, daher liegen noch nicht sehr viele Daten vor): positive Wirkung auf den Knochenstoffwechsel, Schutz vor Osteoporose27)Schurgers, L. J.; Knapen, M. H. J.; Vermeer, C. (2007): Vitamin K2 improves bone strength in postmenopausal women. In: Nutritional Aspects of Osteoporosis 2006. Proceedings of the 6th International Symposium on Nutritional Aspects of Osteoporosis, 4-6 May 2006, Lausanne, Switzerland 1297 (0), S. 179–187. DOI: 10.1016/j.ics.2006.08.006.; Schutz vor Atherosklerose28)Schurgers, Leon J.; Spronk, Henri M. H.; Soute, Berry A. M.; Schiffers, Paul M.; DeMey, Jo G. R.; Vermeer, Cees (2006): Regression of warfarin-induced medial elastocalcinosis by high intake of vitamin K in rats. In: Blood 109 (7), S. 2823–2831. und somit vor koronaren Herzerkrankungen29)Schurgers, L. J.; Knapen, M. H. J.; Vermeer, C. (2007): Vitamin K2 improves bone strength in postmenopausal women. In: Nutritional Aspects of Osteoporosis 2006. Proceedings of the 6th International Symposium on Nutritional Aspects of Osteoporosis, 4-6 May 2006, Lausanne, Switzerland 1297 (0), S. 179–187. DOI: 10.1016/j.ics.2006.08.006.30)Gast, G C M; de Roos, N M; Sluijs, I.; Bots, M. L.; Beulens, J W J; Geleijnse, J. M. et al. (2009): A high menaquinone intake reduces the incidence of coronary heart disease. In: Nutr Metab Cardiovasc Dis 19 (7), S. 504–510. DOI: 10.1016/j.numecd.2008.10.004.. Ca. die Hälfte unseres Vitamin-K2-Bedarfs wird von körpereigenen Bakterien im Darm hergestellt. Die andere Hälfte können wir über die Nahrung durch fermentierte Lebensmittel wie eben sehr lange gereiften Käse aufnehmen. Wer auf diesen eben verzichten möchte, sollte sich an den Geschmack von Natto (fermentierte Sojabohnen) gewöhnen – der reichsten Quelle an Vitamin K2, aber eben ein Gericht mit einer sehr gewöhnungsbedürftigen Textur und einem ammoniak-artigem Aroma – oder auf Supplemente zurückgreifen.

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Zum Abschluss nun noch ein Rezept mit meinem Lieblingskäse aus Sardinien, dem Pecorino sardo (s. das Beitragsbild), der aus einer der Blue Zones stammt, Zonen der Welt, in der die Menschen überdurchschnittlich alt werden. Ein ganzer Käse wird aus 23 Litern Milch von sardischen Schafen gemacht, die sich ausschließlich von Gras ernähren – er ist somit reich an Omega-3-Fettsäuren. Ob die sardischen Schäfer nun wegen dieses Käses oder wegen ihrer vielen Bewegung an der frischen Luft so lange leben, weiß man zwar nicht ganz genau, aber einen Versuch ist er allemal wert! Zumal er auch einfach fabelhaft schmeckt, z.B. in Form dieses Rezepts, perfekt für den Frühling (frei nach the kitchn):

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Salat vom grünen Spargel mit Pecorino sardo

für 2 Portionen als Beilage

asparagus-700124_1920250g frischer grüner Spargel

1 EL des besten extra-nativen Olivenöls

1/2 EL frischer Zitronensaft

etwa 60g Pecorino sardo, gewürfelt und in kleine Stückchen zerbrochen

etwas schwarzen Pfeffer

Die holzigen Enden des Spargels abschneiden (ggf. mit einem Sparschäler nur den unteren Teil schälen), gut waschen, und in ganz viele dünne Scheibchen schneiden (nicht längs, sondern quer, ca. 3-5 mm dick). In einer Schüssel Zitronensaft und Olivenöl mischen, mit dem Spargel und dem Pecorino vermischen. Etwa eine Stunde lang kühl stellen und mit etwas weiterem Pecorino und Pfeffer bestreut servieren.

Es ist wichtig, dass der Pecorino hier nur „zerbröselt“, und nicht gerieben wird, da er sonst in dem Salat untergeht. Wer es etwas herber mag, kann die Menge des Zitronensafts noch etwas erhöhen, oder etwas Rotweinessig und rote Zwiebeln hinzugeben.

Guten Appetit! :)

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Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Michaëlsson, Karl; Wolk, Alicja; Langenskiöld, Sophie; Basu, Samar; Warensjö Lemming, Eva; Melhus, Håkan; Byberg, Liisa (2014): Milk intake and risk of mortality and fractures in women and men: cohort studies. In: BMJ 349.
2. Haider, Saida; Liaquat, Laraib; Shahzad, Sidrah; Sadir, Sadia; Madiha, Syeda; Batool, Zehra et al. (2015): A high dose of short term exogenous d-galactose administration in young male rats produces symptoms simulating the natural aging process. In: Life Sci 124, S. 110–119. DOI: 10.1016/j.lfs.2015.01.016.
3. http://www.bmj.com/content/349/bmj.g6015/rr/778979
4, 13, 15, 16. Song, Yan; Chavarro, Jorge E.; Cao, Yin; Qiu, Weiliang; Mucci, Lorelei; Sesso, Howard D. et al. (2013): Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians. In: J Nutr 143 (2), S. 189–196. DOI: 10.3945/jn.112.168484.
5. http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/genetics/prostate/HealthProfessional/page1
6, 9. Ralston, Robin A.; Truby, Helen; Palermo, Claire E.; Walker, Karen Z. (2014): Colorectal cancer and nonfermented milk, solid cheese, and fermented milk consumption: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. In: Crit Rev Food Sci Nutr 54 (9), S. 1167–1179. DOI: 10.1080/10408398.2011.629353.
7, 10. Aune, D.; Lau, R.; Chan, D S M; Vieira, R.; Greenwood, D. C.; Kampman, E.; Norat, T. (2012): Dairy products and colorectal cancer risk: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. In: Annals of oncology : official journal of the European Society for Medical Oncology / ESMO 23 (1), S. 37–45. DOI: 10.1093/annonc/mdr269.
8. Norat, T.; Riboli, E. (2003): Dairy products and colorectal cancer. A review of possible mechanisms and epidemiological evidence. In: European journal of clinical nutrition 57 (1), S. 1–17. DOI: 10.1038/sj.ejcn.1601522.
11. Norat, T.; Riboli, E. (2003): Dairy products and colorectal cancer. A review of possible mechanisms and epidemiological evidence. In: European journal of clinical nutrition 57 (1), S. 1–17. DOI: 10.1038/sj.ejcn.1601522.
12. Tian, Shu-bo; Yu, Jian-chun; Kang, Wei-ming; Ma, Zhi-qiang; Ye, Xin; Cao, Zhan-jiang (2014): Association between dairy intake and gastric cancer: a meta-analysis of observational studies. In: PLoS One 9 (7), S. e101728. DOI: 10.1371/journal.pone.0101728.
14. Chan, J. M.; Stampfer, M. J.; Ma, J.; Gann, P. H.; Gaziano, J. M.; Giovannucci, E. L. (2001): Dairy products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians‘ Health Study. In: Am J Clin Nutr 74 (4), S. 549–554.
17, 18. Genkinger, Jeanine M.; Hunter, David J.; Spiegelman, Donna; Anderson, Kristin E.; Arslan, Alan; Beeson, W. Lawrence et al. (2006): Dairy products and ovarian cancer: a pooled analysis of 12 cohort studies. In: Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 15 (2), S. 364–372. DOI: 10.1158/1055-9965.EPI-05-0484.
19. Parodi, Peter W. (2005): Dairy product consumption and the risk of breast cancer. In: J Am Coll Nutr 24 (6 Suppl), S. 556S-68S.
20. Moorman, Patricia G.; Terry, Paul D. (2004): Consumption of dairy products and the risk of breast cancer: a review of the literature. In: Am J Clin Nutr 80 (1), S. 5–14.
21. Soedamah-Muthu, Sabita S.; Ding, Eric L.; Al-Delaimy, Wael K.; Hu, Frank B.; Engberink, Marielle F.; Willett, Walter C.; Geleijnse, Johanna M. (2011): Milk and dairy consumption and incidence of cardiovascular diseases and all-cause mortality: dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. In: Am J Clin Nutr 93 (1), S. 158–171. DOI: 10.3945/ajcn.2010.29866.
22. Qin, Li-Qiang; Xu, Jia-Ying; Han, Shu-Fen; Zhang, Zeng-Li; Zhao, You-You; Szeto, Ignatius My (2015): Dairy consumption and risk of cardiovascular disease: an updated meta-analysis of prospective cohort studies. In: Asia Pac J Clin Nutr 24 (1), S. 90–100. DOI: 10.6133/apjcn.2015.24.1.09.
23. Dalmeijer, Geertje W.; Struijk, Ellen A.; van der Schouw, Yvonne T; Soedamah-Muthu, Sabita S.; Verschuren, W M Monique; Boer, Jolanda M A et al. (2013): Dairy intake and coronary heart disease or stroke–a population-based cohort study. In: Int J Cardiol 167 (3), S. 925–929. DOI: 10.1016/j.ijcard.2012.03.094.
24. Rice, Beth H. (2014): Dairy and Cardiovascular Disease: A Review of Recent Observational Research. In: Curr Nutr Rep 3 (2), S. 130–138. DOI: 10.1007/s13668-014-0076-4.
25. Patterson, Emma; Larsson, Susanna C.; Wolk, Alicja; Akesson, Agneta (2013): Association between dairy food consumption and risk of myocardial infarction in women differs by type of dairy food. In: J Nutr 143 (1), S. 74–79. DOI: 10.3945/jn.112.166330.
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27, 29. Schurgers, L. J.; Knapen, M. H. J.; Vermeer, C. (2007): Vitamin K2 improves bone strength in postmenopausal women. In: Nutritional Aspects of Osteoporosis 2006. Proceedings of the 6th International Symposium on Nutritional Aspects of Osteoporosis, 4-6 May 2006, Lausanne, Switzerland 1297 (0), S. 179–187. DOI: 10.1016/j.ics.2006.08.006.
28. Schurgers, Leon J.; Spronk, Henri M. H.; Soute, Berry A. M.; Schiffers, Paul M.; DeMey, Jo G. R.; Vermeer, Cees (2006): Regression of warfarin-induced medial elastocalcinosis by high intake of vitamin K in rats. In: Blood 109 (7), S. 2823–2831.
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2017-09-06T18:20:38+00:00 4 April 2015|Ernährungswissenschaft, Rezepte|0 Comments

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