Wie gefährlich sind Lektine?

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Wie gefährlich sind Lektine?

In meinen ernährungswissenschaftlichen Recherchen stoße ich immer wieder auf das Thema Lektine – sei es in den Debatten über die Schädlichkeit von Weizen und Co, bei Anhängern der Paleo-Ernährung oder bei Diskussionen in Bezug auf die sogenannte „Autoimmun-Diät“. Ich möchte daher in diesem Beitrag auf einige Fragen rund um dieses vieldiskutierte Thema eingehen. Bei der Recherche ist mir allerdings immer wieder aufgefallen, wie viel Halbwissen, wie viele Unklarheiten und Ungereimtheiten es in Bezug auf diesen Inhaltsstoff in unserer Ernährung gibt. Ich habe noch längst nicht alle Literatur zu diesem Thema sichten können. Wer also interessante wissenschaftliche Quellen oder Denkanstöße zu diesem Thema hat, darf mich gerne kontaktieren!

1 | Was sind Lektine?

Lektine sind Eiweißstoffe, die an Kohlenhydrate oder Kohlenhydratstrukturen binden können. Sie sind überall in der Natur (Pflanzen, Tiere, Bakterien, Viren) – auch im Menschen – anzutreffen und erfüllen vielfältige Funktionen. Viele Zellen in unserem Körper besitzen Rezeptoren, die aus Lektinen aufgebaut sind. Lektine sorgen beispielsweise dafür, dass sich Zellen teilen können oder das bestimmte Eiweiße gebildet werden können. Auch in der Kommunikation zwischen Körperzellen können sie eine wichtige Rolle spielen. Des Weiteren ist das Immunsystem auf sie angewiesen: Das so genannte Mannan-bindende Lektin ist in der ersten „Verteidigungsstation“ gegen angreifende Mikroorganismen angesiedelt und ist nur eines von vielen weiteren, die für unser Immunsystem wichtig sind1)Berg, Jeremy M.; Tymoczko, John L.; Stryer, Lubert; Clarke, Neil D. (2002): Biochemistry. 5. ed., 4. print. New York, NY: W. H. Freeman.. Da Lektine also in vielfältiger Weise in unsere Körperfunktionen eingreifen können, sind auch negative Effekte möglich, insbesondere, wenn wir Lektine von außen über unsere Ernährung aufnehmen. Denn viele Pflanzen setzen Lektine als „Fraßschutz“ ein. Lektine werden daher auch als „Antinährstoffe“ bezeichnet2)Vasconcelos, Ilka M.; Oliveira, Jose Tadeu A. (2004): Antinutritional properties of plant lectins. In: Toxicon : official journal of the International Society on Toxinology 44 (4), S. 385–403. DOI: 10.1016/j.toxicon.2004.05.005.. Mehr dazu unter 3).

2 | Wo in unserer Ernährung kommen Lektine vor?

Zunächst einmal enthalten fast all unsere Lebensmittel mehr oder weniger Lektine unterschiedlichster Art, davon hauptsächlich Obst- und Gemüsesorten, Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Samen3)Nachbar, M. S.; Oppenheim, J. D. (1980): Lectins in the United States diet: a survey of lectins in commonly consumed foods and a review of the literature. In: The American journal of clinical nutrition 33 (11), S. 2338–2345.. Unser Darm ist diesen Stoffen also täglich ausgesetzt. Einige Lektine sind für uns vollkommen ungefährlich (z.B. Lektine in Kartoffeln oder Tomaten), andere werden erst durch Kochen unschädlich gemacht (z.B. solche von Hülsenfrüchten wie Bohnen etc.). Zum Vergleich: Rohe Kidneybohnen enthalten etwa 20.000-70.000 Lektin-Einheiten, wohingegen gekochte nur noch 200-400 enthalten4)http://www.fda.gov/Food/FoodborneIllnessContaminants/CausesOfIllnessBadBugBook/ucm071092.htm; abgerufen am 20.08.2016 . Diejenigen Lektine, die für uns gefährlich sein können, sind vor allem die sogenannten Prolamine (z.B. Gluten, bei Zöliakie) und die Agglutinine (u.a. in Weizen, Kidneybohnen, Sojabohnen).

3 | Welche negativen5)Vasconcelos, Ilka M.; Oliveira, Jose Tadeu A. (2004): Antinutritional properties of plant lectins. In: Toxicon : official journal of the International Society on Toxinology 44 (4), S. 385–403. DOI: 10.1016/j.toxicon.2004.05.005. Wirkungen haben Lektine in unserer Nahrung?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass die unterschiedlichen Arten von Lektinen und ihre Wirkungen noch nicht vollständig untersucht sind. Am meisten Erkenntnisse liegen wohl für die Lektine in Hülsenfrüchten vor. Würde man beispielsweise Bohnen roh verzehren, so würde man relativ schnell Symptome einer akuten Vergiftung entwickeln: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Krampfanfälle. Die darin enthaltenen Lektine (= Phytoagglutinine; Phasin) binden an die Darmwand, werden in den Blutkreislauf aufgenommen und führen zu einer Verklumpung des Bluts. Als Folge verschließen sich Gefäße, es kommt zur akuten Vergiftung, die im Extremfall tödlich enden kann6)Noah, N. D.; Bender, A. E.; Reaidi, G. B.; Gilbert, R. J. (1980): Food poisoning from raw red kidney beans. In: British medical journal 281 (6234), S. 236–237.. Je nach Menge der gegessenen rohen Bohnen kommt es aber nach wenigen Stunden aber auch wieder zum Abklingen der Symptome.

Andere Lektine wiederum werden vom Darm gar nicht erst aufgenommen und gelangen so auch nicht in den Blutkreislauf (z.B. Tomaten-Lektin)7)Kilpatrick, David C.; Pusztai, Arpad; Grant, George; Graham, Catherine; Ewen, Stanley W.B. (1985): Tomato lectin resists digestion in the mammalian alimentary canal and binds to intestinal villi without deleterious effects. In: FEBS Letters 185 (2), S. 299–305. DOI: 10.1016/0014-5793(85)80927-3..

Bislang ist noch nicht exakt ermittelt worden, auf welche Weise Lektine dem Darm schaden. Folgende Überlegungen stehen momentan im Raum:

Darmzellen sind bei der Nahrungspassage ständig Kräften ausgesetzt, die sie auseinanderzerren und kleinere Risse verursachen. Diese Verletzungen sind jedoch normal und können von den Darmzellen schnell repariert werden. Man nimmt nun an, dass bestimmte Lektine diesen Regenerationsprozess empfindlich stören können, wodurch der Darm durchlässig und in seiner Funktion eingeschränkt wird8)Miyake, Katsuya; Tanaka, Toru; McNeil, Paul L. (2007): Lectin-based food poisoning: a new mechanism of protein toxicity. In: PloS one 2 (8), e687. DOI: 10.1371/journal.pone.0000687..  Untersucht ist dies im Reagenzglas mit Weizen- und Riesenbohnen-Lektin (WGA und Concanavalin A).

Neben diesen drastischen Wirkungen können Lektine auch die Aufnahme von Nährstoffen (z.B. Calcium, Zucker) verhindern und die Darmschleimhaut verändern – zumindest im Tierversuch. Dies ist jedoch ebenfalls abhängig von der Art des Lektins und von dessen Konzentration9)Pusztai, A.; Ewen, S. W.; Grant, G.; Brown, D. S.; Stewart, J. C.; Peumans, W. J. et al. (1993): Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. In: The British journal of nutrition 70 (1), S. 313–321.10)Ayyagari, Radha; Raghunath, M.; Narasinga Rao, B. S. (1993): Early effects and the possible mechanism of the effect of Concanavalin A (Con A) and Phaseolus vulgaris lectin (PHA-P) on intestinal absorption of calcium and sucrose. In: Plant Food Hum Nutr 43 (1), S. 63–70. DOI: 10.1007/BF01088097..

Zur Diskussion steht auch die Möglichkeit, dass Lektine die Darmflora, also die Besiedelung des Darms mit „guten“ Bakterien verändern könnten, und zwar in einer negativen Weise.

Wenn Lektine die Darmbarriere überwinden und in die Blutbahn gelangen, können sie möglicherweise mit Körperstrukturen, z.B. mit dem Immunsystem wechselwirken und Autoimmunprozesse anregen, also Prozesse, bei denen der Körper seine eigenen Zellen angreift und zerstört11)Cordain, L.; Toohey, L.; Smith, M. J.; Hickey, M. S. (2000): Modulation of immune function by dietary lectins in rheumatoid arthritis. In: The British journal of nutrition 83 (3), S. 207–217..

Für den Menschen konnten bislang jedoch bis auf die genannten akuten Vergiftungserscheinungen noch keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen bestimmten Erkrankungen und einer dauerhaften Aufnahme von Lektinen wissenschaftlich bewiesen werden. Hier besteht intensiver Forschungsbedarf. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass unsere Zellen durch eine dünne Schicht von sogenannten Sialinsäure-Molekülen vor Lektinen geschützt sind12)Uchigata, Y.; Spitalnik, S. L.; Tachiwaki, O.; Salata, K. F.; Notkins, A. L. (1987): Pancreatic islet cell surface glycoproteins containing Gal beta 1-4GlcNAc-R identified by a cytotoxic monoclonal autoantibody. In: The Journal of experimental medicine 165 (1), S. 124–139.. Da alle Menschen wie bereits erwähnt täglich Lektine zu sich nehmen ohne zu erkranken bzw. Symptome zu entwickeln, richtet sich der Fokus insbesondere auf solche Menschen, die eine mögliche genetische Prädisposition haben, d.h. solche Menschen, die bestimmte genetische Voraussetzungen mitbringen, welche in Verbindung mit einer Aufnahme von Lektinen Erkrankungen zum Ausbruch bringen können. Dazu zählen zum Beispiel Autoimmunerkrankungen, aber auch neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson13)Zheng, Jolene; Wang, Mingming; Wei, Wenqian; Keller, Jeffrey N.; Adhikari, Binita; King, Jason F. et al. (2016): Dietary Plant Lectins Appear to Be Transported from the Gut to Gain Access to and Alter Dopaminergic Neurons of Caenorhabditis elegans, a Potential Etiology of Parkinson’s Disease. In: Frontiers in nutrition 3, S. 7. DOI: 10.3389/fnut.2016.00007..

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4 | Kann ein Verzicht auf Lektine bei Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis) helfen?

Das sogenannte Autoimmun-Protokoll (AIP) ist eine an die Paleo-Ernährung angelehnte Ernährungsform, die im Internet und in Medien der Alternativmedizin häufig empfohlen wird, wenn Erkrankungen wie z.B. eine Hashimoto-Thyreoiditis, eine entzündliche Darmerkrankung wie z.B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, Diabetes mellitus Typ 1, Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Schuppenflechte oder Zöliakie vorliegen. Vertreter dieser Ernährungslehre sind der Meinung, dass Autoimmunerkrankungen generell mit einem durchlässigen Darm einhergehen („Leaky gut syndrome“) und dass insbesondere lektinhaltige Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Nachtschattengewächse inkl. Kartoffeln, Getreide, Gluten und Nüsse zu einer „Durchlöcherung“ des Darmes führen würden. Auf diese Weise könnten neben Lektinen weitere Toxine, Mikroben, unverdaute Nahrung und andere Substanzen in den Körper gelangen, welche die Autoimmunerkrankung auslösen bzw. weiter verschlimmern14)z.B. hier: http://www.paleo-leben.de/medizin/autoimmunerkrankungen/. Dieser kausale Zusammenhang ist jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen. Insbesondere das so genannte „Leaky gut syndrome“, das die direkte Ursache für alle möglichen Erkrankungen von chronischem Erschöpfungssyndrom bis zu Autismus sein soll, kann aus wissenschaftlicher Sicht bislang nicht als der auslösende Faktor für derartige Krankheiten angesehen werden, selbst wenn ein vermehrt durchlässiger Darm bei den genannten Erkrankungen begleitend auftreten kann15)Hollander, D.; Vadheim, C. M.; Brettholz, E.; Petersen, G. M.; Delahunty, T.; Rotter, J. I. (1986): Increased intestinal permeability in patients with Crohn’s disease and their relatives. A possible etiologic factor. In: Annals of internal medicine 105 (6), S. 883–885.. Das Syndrom muss bislang klar unter der Sparte „Pseudowissenschaft“ eingeordnet werden.

Hinweise darauf, dass das AIP tatsächlich hilft, gibt es bislang nur in Form von Anekdoten. Hier ist nicht auszuschließen, dass der Glaube an die heilende Kraft (= Placebo-Effekt) mehr bewirkt als der Verzicht auf eine Vielzahl an Nahrungsmitteln. Daran ist auch zunächst einmal nichts auszusetzen, denn eine Verbesserung der Erkrankung ist generell positiv zu beurteilen. Problematisch wird der Fokus auf das AIP nur dann, wenn die Ernährung nicht mehr ausgewogen genug gestaltet werden kann und wichtige Nährstoffe fehlen bzw. auf längere Sicht nicht in ausreichendem Maße aufgenommen werden. Zu beachten ist bei Empfehlungen, die auf der Basis von Anekdoten gegeben werden, auch stets die Tatsache, dass Menschen, die möglicherweise zunächst aufgrund eines Placebo-Effekts von der Ernährung begeistert sind, bei einer nachträglichen Verschlimmerung ihrer Erkrankung dies nicht auf ihre Ernährung zurückführen und daher nur wenig „Negativ-Anekdoten“ existieren. An der neuen Ernährungsform wird oft in fast religiöser Manier festgehalten, was insbesondere solchen Leuten zuspielt, die an der Theorie Geld verdienen (z.B. von Form von Büchern oder Beratungen).

Bei meiner Recherche im Netz bin ich auf zum Teil haarsträubende, vollkommen falsche und teilweise gefährliche Behauptungen zu dem Thema gestoßen, die sicherlich viele Menschen ansprechen, die mit ihrer Erkrankung auf der Suche nach Hilfe und Linderung sind.

Mein Rat ist daher, alle Empfehlungen bezüglich einer Autoimmun-Paleo-Diät mit Vorsicht zu genießen und behutsam und ohne Dogmatismus auszutesten, ob Veränderungen etwas bewirken. Von Angeboten, die viel Erfolg versprechen, dabei aber meist auch genauso viel kosten, würde ich Abstand nehmen. Ein paar Tipps zum Umgang mit Lektinen sind unter der nächsten Überschrift zu finden.

5 | Sollte ich auf Lebensmittel verzichten, die Lektine enthalten?

Ein Verzicht auf Lektine würde einen Verzicht auf sehr viele ( – eigentlich fast alle!) Lebensmittel, die wertvolle Inhaltsstoffe enthalten, mit sich bringen. Sehr lektinreiche Nahrungsmittel wie z.B. Hülsenfrüchte zeigen in Studien immer wieder eine Senkung des Krankheits- und Sterberisikos16)Messina, Virginia (2014): Nutritional and health benefits of dried beans. In: The American journal of clinical nutrition 100 Suppl 1, 437S-42S. DOI: 10.3945/​ajcn.113.071472..  Zur Zeit kann aus wissenschaftlicher Hinsicht keine klare Empfehlung für einen Fokus auf eine lektinarme Ernährung ausgesprochen werden, zumal auch noch immer nicht bekannt ist, wo genau welche Lektine in welcher Menge enthalten sind. Man sollte sich also wegen des Themas nicht verrückt machen. Lektine in unserer Nahrung können darüber hinaus auch positive Wirkungen im Körper vermitteln. So senkt zumindest im Tierversuch eine geringe Aufnahme von Lektin (Concanavalin A, ein Lektin, das in Riesenbohnen vorkommt, 0,34% der Nahrung) das Cholesterin im Blut und könnte somit das kardiovaskuläre Risiko reduzieren17)Kayashima, Tomoko; Okazaki, Yukako; Katayama, Tetsuyuki; Hori, Kanji (2005): Dietary lectin lowers serum cholesterol and raises fecal neutral sterols in cholesterol-fed rats. In: Journal of nutritional science and vitaminology 51 (5), S. 343–348..  Wer glaubt, genetisch vorbelastet zu sein, z.B. weil in der Familie Autoimmunerkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen oder neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson vorkommen, kann sich an folgende Tipps halten:

  • Lektine in Getreide, Saaten oder Hülsenfrüchten lassen sich durch Verarbeitungsmethoden wie Einweichen, Keimen, Fermentieren und Kochen stark reduzieren. Achtung: Slow Cooker, die Bohnen beispielsweise nur bei 80°C kochen, reichen nicht aus, um die enthaltenen Lektine zu zerstören. Genauso ist auch trockene Hitze (Ofen etc.) nicht ausreichend. Bohnen müssen in Wasser mindestens 15 Minuten bei 100°C gekocht werden18)Pusztai, A.; Grant, G. (1998): Assessment of lectin inactivation by heat and digestion. In: Methods in molecular medicine 9, S. 505–514. DOI: 10.1385/0-89603-396-1:505..
  • Lektine binden wie bereits erwähnt an Kohlenhydratstrukturen. Wer bestimmte Kohlenhydrate regelmäßig isst, kann daher Lektine bereits im Darm „abfangen“ und so verhindern, dass sie eventuell Schlimmeres anrichten19)http://www.interchim.fr/ft/M/MS902z.pdf; abgerufen am 20.08.201620)Goldstein IJ, Poretz RD. Isolation and chemical properties of lectins. In: Liener IE, Sharon N, Goldstein IJ, editors. The lectins. Orlando: Academic Press; 198621)Walsh, Gary (2014): Proteins. Biochemistry and biotechnology. 2e. Chichester, West Sussex: John Wiley & Sons Inc. Online verfügbar unter http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&scope=site&db=nlebk&db=nlabk&AN=714424.. Mögliche Kohlenhydrate sind z.B. bestimmte Zucker wie
    • N-Acetyl-Glucosamin bindet Lektine aus Weizen und anderen Getreiden (wheat germ agglutinin, WGA), Tomaten, Kartoffeln; kommt vor in Bakterien, im Panzer von Insekten und Krebsen sowie in der Zellwand von Hefe, kann als Nahrungsergänzungsmittel erworben werden.
    • Mannose, bindet Concanavalin A (aus Riesenbohnen), Erbsen-Lektin, Linsen-Lektin;  kommt vor in Obst und Gemüse (vor allem Beeren, Tomaten, Äpfel, grünen Bohnen, Kohl, Auberginen, Pilzen).
    • N-Acetyl-Galactosamin, bindet Lektine aus Gartenbohne (Phasin), Kidneybohne, Sojabohne, Mondbohne, Erdnuss; kommt vor z.B. in Gelatine oder im Nahrungsergänzungsmittel Chondroitinsulfat
    • Auch Lebensmittel mit sogenannten Schleimstoffen können vermutlich Kohlenhydratstrukturen bilden, an die Lektine binden. Dazu zählen z.B. Feigen, Bockshornklee, Leinsamen, Seetang, Okra, Chiasamen, Psyllium (Flohsamenschalen), Agar agar, Natto (fermentierte Sojabohnen), und viele mehr.
  • Für die Zeitdauer einer Infektionskrankheit mit Bakterien oder Viren (z.B. Grippe, Erkältung, …) auf stark lektinhaltige Lebensmittel verzichten (Getreide, auch Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Saaten). Es ist möglich, dass bestimmte Viren und Bakterien die schützende Sialinsäureschicht von unseren Zellen entfernen können und sie somit angreifbar für Lektine machen22)Rosen, S. W.; Hughes, R. C. (1977): Effects of neuraminidase on lectin binding by wild-type and ricin-resistant strains of hamster fibroblasts. In: Biochemistry 16 (22), S. 4908–4915..

 

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Diskussionsvorschläge zum Thema Lektine habt: Schreibt mir gerne einen Kommentar!

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Berg, Jeremy M.; Tymoczko, John L.; Stryer, Lubert; Clarke, Neil D. (2002): Biochemistry. 5. ed., 4. print. New York, NY: W. H. Freeman.
2, 5. Vasconcelos, Ilka M.; Oliveira, Jose Tadeu A. (2004): Antinutritional properties of plant lectins. In: Toxicon : official journal of the International Society on Toxinology 44 (4), S. 385–403. DOI: 10.1016/j.toxicon.2004.05.005.
3. Nachbar, M. S.; Oppenheim, J. D. (1980): Lectins in the United States diet: a survey of lectins in commonly consumed foods and a review of the literature. In: The American journal of clinical nutrition 33 (11), S. 2338–2345.
4. http://www.fda.gov/Food/FoodborneIllnessContaminants/CausesOfIllnessBadBugBook/ucm071092.htm; abgerufen am 20.08.2016 
6. Noah, N. D.; Bender, A. E.; Reaidi, G. B.; Gilbert, R. J. (1980): Food poisoning from raw red kidney beans. In: British medical journal 281 (6234), S. 236–237.
7. Kilpatrick, David C.; Pusztai, Arpad; Grant, George; Graham, Catherine; Ewen, Stanley W.B. (1985): Tomato lectin resists digestion in the mammalian alimentary canal and binds to intestinal villi without deleterious effects. In: FEBS Letters 185 (2), S. 299–305. DOI: 10.1016/0014-5793(85)80927-3.
8. Miyake, Katsuya; Tanaka, Toru; McNeil, Paul L. (2007): Lectin-based food poisoning: a new mechanism of protein toxicity. In: PloS one 2 (8), e687. DOI: 10.1371/journal.pone.0000687.
9. Pusztai, A.; Ewen, S. W.; Grant, G.; Brown, D. S.; Stewart, J. C.; Peumans, W. J. et al. (1993): Antinutritive effects of wheat-germ agglutinin and other N-acetylglucosamine-specific lectins. In: The British journal of nutrition 70 (1), S. 313–321.
10. Ayyagari, Radha; Raghunath, M.; Narasinga Rao, B. S. (1993): Early effects and the possible mechanism of the effect of Concanavalin A (Con A) and Phaseolus vulgaris lectin (PHA-P) on intestinal absorption of calcium and sucrose. In: Plant Food Hum Nutr 43 (1), S. 63–70. DOI: 10.1007/BF01088097.
11. Cordain, L.; Toohey, L.; Smith, M. J.; Hickey, M. S. (2000): Modulation of immune function by dietary lectins in rheumatoid arthritis. In: The British journal of nutrition 83 (3), S. 207–217.
12. Uchigata, Y.; Spitalnik, S. L.; Tachiwaki, O.; Salata, K. F.; Notkins, A. L. (1987): Pancreatic islet cell surface glycoproteins containing Gal beta 1-4GlcNAc-R identified by a cytotoxic monoclonal autoantibody. In: The Journal of experimental medicine 165 (1), S. 124–139.
13. Zheng, Jolene; Wang, Mingming; Wei, Wenqian; Keller, Jeffrey N.; Adhikari, Binita; King, Jason F. et al. (2016): Dietary Plant Lectins Appear to Be Transported from the Gut to Gain Access to and Alter Dopaminergic Neurons of Caenorhabditis elegans, a Potential Etiology of Parkinson’s Disease. In: Frontiers in nutrition 3, S. 7. DOI: 10.3389/fnut.2016.00007.
14. z.B. hier: http://www.paleo-leben.de/medizin/autoimmunerkrankungen/
15. Hollander, D.; Vadheim, C. M.; Brettholz, E.; Petersen, G. M.; Delahunty, T.; Rotter, J. I. (1986): Increased intestinal permeability in patients with Crohn’s disease and their relatives. A possible etiologic factor. In: Annals of internal medicine 105 (6), S. 883–885.
16. Messina, Virginia (2014): Nutritional and health benefits of dried beans. In: The American journal of clinical nutrition 100 Suppl 1, 437S-42S. DOI: 10.3945/​ajcn.113.071472.
17. Kayashima, Tomoko; Okazaki, Yukako; Katayama, Tetsuyuki; Hori, Kanji (2005): Dietary lectin lowers serum cholesterol and raises fecal neutral sterols in cholesterol-fed rats. In: Journal of nutritional science and vitaminology 51 (5), S. 343–348.
18. Pusztai, A.; Grant, G. (1998): Assessment of lectin inactivation by heat and digestion. In: Methods in molecular medicine 9, S. 505–514. DOI: 10.1385/0-89603-396-1:505.
19. http://www.interchim.fr/ft/M/MS902z.pdf; abgerufen am 20.08.2016
20. Goldstein IJ, Poretz RD. Isolation and chemical properties of lectins. In: Liener IE, Sharon N, Goldstein IJ, editors. The lectins. Orlando: Academic Press; 1986
21. Walsh, Gary (2014): Proteins. Biochemistry and biotechnology. 2e. Chichester, West Sussex: John Wiley & Sons Inc. Online verfügbar unter http://search.ebscohost.com/login.aspx?direct=true&scope=site&db=nlebk&db=nlabk&AN=714424.
22. Rosen, S. W.; Hughes, R. C. (1977): Effects of neuraminidase on lectin binding by wild-type and ricin-resistant strains of hamster fibroblasts. In: Biochemistry 16 (22), S. 4908–4915.
2017-09-06T18:20:36+00:00 28 August 2016|Ernährungswissenschaft|0 Comments

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