Schwermetalle sind eine Gruppe von Metallen, die teilweise für den Menschen lebensnotwendig sind, d.h. über die Nahrung in kleinen Mengen aufgenommen werden müssen. Sie werden auch als Spurenelemente bezeichnet (z.B. Eisen, Chrom, Kupfer, Mangan, Zink, …).  Zu den Schwermetallen zählen aber auch drei Vertreter, die selbst in Kleinstmengen für den Menschen giftig sind und daher unbedingt vermieden werden sollten. Ich zähle sie daher zu den „Übeltätern“ in unserer Ernährung (Erklärung dazu hier). Welche dies sind, und worin sie vorkommen, dazu mehr in diesem Beitrag.

1 Blei

Blei, das in kleineren Mengen (ca. 1 mg/Tag) über die Nahrung aufgenommen wird, reichert sich im Körper an. Es ersetzt hier z.B. das Calcium im Knochen oder in den Zähnen und kann bei erhöhtem Calciumumsatz rasch freigesetzt werden und dann zu einer akuten Bleivergiftung führen. Chronisch führt eine permanente Bleiaufnahme zu einer Schädigung des zentralen und peripheren Nervensystems, der Nieren, des Magen-Darm-Systems und des blutbildenden Systems 1)Leitfaden zur Anwendung umweltverträglicher Stoffe. (PDF; 982 kB) Umweltbundesamt, Februar 2003.. Im Tierversuch erwies sich Blei zudem als krebserregend2)Deutsche Forschungsgemeinschaft: DFG legt MAK- und BAT-Werte-Liste 2006 vor (Memento vom 10. Februar 2009 im Internet Archive(Pressemitteilung Nr. 34, 5. Juli 2006).

Vorkommen

Neben der Aufnahme über die Luft und vor allem Zigarettenrauch stellen insbesondere Bleirohre und dadurch verunreinigtes Trinkwasser eine Aufnahmequelle dar (in Häusern, die vor 1973 gebaut wurden). In Deutschland müssen belastete Rohre vom Hauseigentümer durch bleifreie ersetzt werden3)http://www.dvgw.de/wasser/informationen-fuer-verbraucher/blei-im-trinkwasser/; abgerufen am 18.02.2016, allerdings ist häufig gar nicht bekannt, dass tatsächlich eine Bleibelastung besteht. Hier hilft nur ein Labortest des Trinkwassers. Sind die Leitungen betroffen, das Wasser auf keinen Fall mehr zur Zubereitung von Speisen, zum Trinken, aber auch nicht zum Duschen oder Zähneputzen verwenden bis die Leitungen ausgetauscht sind. Insbesondere Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder können bei Kleinstmengen schwere Schädigungen des Nervensystems davontragen.

Für Bleigehalte in Obst und Gemüse hat die EU Grenzwerte festgelegt, die auch eingehalten werden4)http://www.vis.bayern.de/ernaehrung/lebensmittelsicherheit/unerwuenschte_stoffe/schwermetalle.htm; abgerufen am 18.02.2016). Allerdings sollte man vor dem Verzehr eventuell anhaftenden Staub durch Abwaschen entfernen, da dieser bleihaltig sein kann.
Manche Wildpilze, Süßwasserfische, Muscheln sowie Rinderleber können dagegen höhere Bleigehalte erreichen5)Bruno Streit: Lexikon Ökotoxikologie. VCH, Weinheim 1991. ISBN 3-527-28104-5 S. 104–110., sodass diese Produkte, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden sollten.

Vorsicht auch bei bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln: Kieselerde, Mineralerde und Zeolith werden häufig als Schönheitsprodukte für Haut, Haare und Nägel beworben, überschreiten jedoch häufig die Blei-Grenzwerte6)https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Giftiges-Blei-in-Nahrungsergaenzungsmitteln,blei100.html; abgerufen am 18.02.2016. Daher besser auf diese Produkte verzichten.

chocolate-183543_1920

2 Cadmium

Cadmium wird vom Menschen ebenfalls bevorzugt über die Nahrung aufgenommen. Es kann sich in ähnlicher Weise im Körper anreichern (v.a. Niere und Leber) und chronische Vergiftungserscheinungen verursachen, die denen der Bleivergiftung sehr ähnlich sind (Schädigung des Nervensystems, der Nieren, der Knochen, Erhöhung des Blutdrucks, …). Auch Cadmium gilt als krebserregend7)IARC 1993: Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Vol 58, Beryllium, Cadmium, Mercury, and Exposures in the Glass Manufacturing Industry, Lyon. .

Vorkommen

Die wichtigsten Nahrungsquellen von Cadmium sind:

  • Leber
  • Steinpilze und Morcheln
  • Muscheln/Schalentiere
  • Kakaopulver/Schokolade
  • Seetang
  • Leinsamen

Leber, Steinpilze und Morcheln sowie Muscheln und Schalentiere sollten, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt gegessen werden, da sie häufig zusätzlich auch noch höhere Bleibelastungen aufweisen (s.o.).

Ökotest hat verschiedene Bitterschokoladen (Kakaogehalt ab 50%) auf ihren Cadmiumgehalt hin getestet und teilweise erhöhte Grenzwerte gefunden8)http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=prod&artnr=102892&bernr=04. Wer eine Lieblingsschokolade oder ein Lieblingskakaopulver hat, kann beim Produzenten nachfragen. Viele Anbieter lassen ihre Chargen regelmäßig auf ihren Cadmiumgehalt hin überprüfen, obwohl dies laut Gesetz (noch) nicht verlangt ist (erst ab 2019). Der Cadmiumgehalt sollte 0,3 mg/kg Schokolade nicht überschreiten (Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung). Da die maximale Aufnahmemenge von Cadmium pro Woche für einen 60 kg schweren Erwachsenen 150 µg beträgt (TWI = tolerable weekly intake = 2,5µg/kg Körpergewicht), könnte dieser Erwachsene bei einem Cadmiumgehalt von 0,3 mg/kg Schokolade jeden Tag 50 g Bitterschokolade essen – dabei sind aber andere Cadmiumquellen noch nicht mit eingerechnet9)http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=1455; abgerufen am 18.02.2016. Da es durchaus Sorten gibt, die mehr Cadmium enthalten, vorher beim Hersteller anfragen oder den eigenen Bitterschokoladenkonsum auf wenige Gramm pro Tag beschränken. Vorsicht auch bei Kakaopulver: Besonders Kinder, die regelmäßig ein Kakaogetränk zu sich nehmen, können einer Cadmiumbelastung ausgesetzt sein. Auch hier ist es sinnvoll, beim Hersteller nachzufragen.

Leinsamen können ebenfalls Cadmium anreichern; daher pro Tag nicht mehr als 20 g verzehren.

3 Quecksilber

Auch Quecksilber reichert sich bei regelmäßiger Aufnahme im Körper an. Es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird im Gehirn und Rückenmark gespeichert. Bei Schwangeren kann es die Plazentaschranke überwinden und findet sich dann im Blut des Fötus. Das Neugeborene zeigt durch eine Quecksilber-Belastung im Mutterleib Entwicklungs- und Verhaltensstörungen10)Schoeman K, Bend JR, Hill J, Nash K, Koren G. Defining a lowest observable adverse effect hair concentrations of mercury for neurodevelopmental effects of prenatal methylmercury exposure through maternal fish consumption: a systematic review. Ther Drug Monit. 2009 Dec;31(6):670-82.11)Cohen JT, Bellinger DC, Shaywitz BA. A quantitative analysis of prenatal methyl mercury exposure and cognitive development. Am J Prev Med. 2005 Nov;29(4):353-65.((Axelrad DA, Bellinger DC, Ryan LM, Woodruff TJ. Dose-response relationship of prenatal mercury exposure and IQ: an integrative analysis of epidemiologic data. Environ Health Perspect. 2007 Apr;115(4):609-15.; Erwachsene zeigen Missempfindungen der Haut, Gangunsicherheit, Sprach- und Hör- sowie Sehstörungen, die durch die Schädigung des zentralen Nervensystems bedingt sind.

Vorkommen

Organisches Quecksilber wird vor allem durch den Verzehr von Fischen und Meerestieren aufgenommen. Die wöchentliche Höchstaufnahmemenge beträgt 3,3 µg/kg Körpergewicht (WHO). Dabei sind solche Fische besonders stark belastet, die am Ende der Nahrungskette stehen, also sich selbst von Fischen ernähren. Dazu zählen u.a. Thunfisch, Makrele, Heilbutt, Hecht und Rotbarsch. Als gering belastet gelten u.a. Lachs und Jakobsmuscheln. Würde ein 60 kg schwerer Mensch 2 Dosen Thunfisch pro Woche essen (267 µg), so kann es sein, dass er seine Höchstgrenze (198 µg) schon weit überschreitet. Schwangere sollten gar keine von den belasteten Fischsorten verzehren.

Meine Empfehlungen

Um eine Schwermetall-Belastung weitestgehend zu vermeiden, empfehle ich zusammenfassend folgende Maßnahmen:

  • Eventuelle Bleirohre im Haus ersetzen lassen.
  • Maximal 200 g Wildpilze in der Woche verzehren. Zuchtpilze sind dagegen ungefährlich.
  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr gut waschen.
  • Keine Kieselerde/Mineralerde-Supplemente einnehmen.
  • Pro Tag nicht mehr als 20 g Leinsamen essen.
  • Sich beim Hersteller über die Cadmiumwerte von Schokolade/Kakaopulver erkundigen und in entsprechenden eingeschränkten Maßen verzehren.
  • Auf belastete Fleisch- und Fischsorten sowie Meerestiere verzichten.
  • Schwangere und Kinder sollten besonders auf gefährdete Lebensmittel achten.

.

Habt ihr noch Fragen zu Schwermetallen und wie man sie vermeidet? :) Schreibt mir gerne einen Kommentar!

Schaut euch gerne auch noch meine anderen Beiträge der Übeltäter-Serie an: Teil 1, Teil 2, Teil 3.

.

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Leitfaden zur Anwendung umweltverträglicher Stoffe. (PDF; 982 kB) Umweltbundesamt, Februar 2003.
2. Deutsche Forschungsgemeinschaft: DFG legt MAK- und BAT-Werte-Liste 2006 vor (Memento vom 10. Februar 2009 im Internet Archive(Pressemitteilung Nr. 34, 5. Juli 2006
3. http://www.dvgw.de/wasser/informationen-fuer-verbraucher/blei-im-trinkwasser/; abgerufen am 18.02.2016
4. http://www.vis.bayern.de/ernaehrung/lebensmittelsicherheit/unerwuenschte_stoffe/schwermetalle.htm; abgerufen am 18.02.2016). Allerdings sollte man vor dem Verzehr eventuell anhaftenden Staub durch Abwaschen entfernen, da dieser bleihaltig sein kann.
Manche Wildpilze, Süßwasserfische, Muscheln sowie Rinderleber können dagegen höhere Bleigehalte erreichen((Bruno Streit: Lexikon Ökotoxikologie. VCH, Weinheim 1991. ISBN 3-527-28104-5 S. 104–110.
5. Bruno Streit: Lexikon Ökotoxikologie. VCH, Weinheim 1991. ISBN 3-527-28104-5 S. 104–110., sodass diese Produkte, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen verzehrt werden sollten.

Vorsicht auch bei bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln: Kieselerde, Mineralerde und Zeolith werden häufig als Schönheitsprodukte für Haut, Haare und Nägel beworben, überschreiten jedoch häufig die Blei-Grenzwerte((https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Giftiges-Blei-in-Nahrungsergaenzungsmitteln,blei100.html; abgerufen am 18.02.2016

6. https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Giftiges-Blei-in-Nahrungsergaenzungsmitteln,blei100.html; abgerufen am 18.02.2016. Daher besser auf diese Produkte verzichten.

chocolate-183543_1920

2 Cadmium

Cadmium wird vom Menschen ebenfalls bevorzugt über die Nahrung aufgenommen. Es kann sich in ähnlicher Weise im Körper anreichern (v.a. Niere und Leber) und chronische Vergiftungserscheinungen verursachen, die denen der Bleivergiftung sehr ähnlich sind (Schädigung des Nervensystems, der Nieren, der Knochen, Erhöhung des Blutdrucks, …). Auch Cadmium gilt als krebserregend((IARC 1993: Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Vol 58, Beryllium, Cadmium, Mercury, and Exposures in the Glass Manufacturing Industry, Lyon.

7. IARC 1993: Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Vol 58, Beryllium, Cadmium, Mercury, and Exposures in the Glass Manufacturing Industry, Lyon. .

Vorkommen

Die wichtigsten Nahrungsquellen von Cadmium sind:

  • Leber
  • Steinpilze und Morcheln
  • Muscheln/Schalentiere
  • Kakaopulver/Schokolade
  • Seetang
  • Leinsamen

Leber, Steinpilze und Morcheln sowie Muscheln und Schalentiere sollten, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt gegessen werden, da sie häufig zusätzlich auch noch höhere Bleibelastungen aufweisen (s.o.).

Ökotest hat verschiedene Bitterschokoladen (Kakaogehalt ab 50%) auf ihren Cadmiumgehalt hin getestet und teilweise erhöhte Grenzwerte gefunden((http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=prod&artnr=102892&bernr=04

8. http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?action=prod&artnr=102892&bernr=04. Wer eine Lieblingsschokolade oder ein Lieblingskakaopulver hat, kann beim Produzenten nachfragen. Viele Anbieter lassen ihre Chargen regelmäßig auf ihren Cadmiumgehalt hin überprüfen, obwohl dies laut Gesetz (noch) nicht verlangt ist (erst ab 2019). Der Cadmiumgehalt sollte 0,3 mg/kg Schokolade nicht überschreiten (Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung). Da die maximale Aufnahmemenge von Cadmium pro Woche für einen 60 kg schweren Erwachsenen 150 µg beträgt (TWI = tolerable weekly intake = 2,5µg/kg Körpergewicht), könnte dieser Erwachsene bei einem Cadmiumgehalt von 0,3 mg/kg Schokolade jeden Tag 50 g Bitterschokolade essen – dabei sind aber andere Cadmiumquellen noch nicht mit eingerechnet((http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=1455; abgerufen am 18.02.2016
9. http://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=1455; abgerufen am 18.02.2016. Da es durchaus Sorten gibt, die mehr Cadmium enthalten, vorher beim Hersteller anfragen oder den eigenen Bitterschokoladenkonsum auf wenige Gramm pro Tag beschränken. Vorsicht auch bei Kakaopulver: Besonders Kinder, die regelmäßig ein Kakaogetränk zu sich nehmen, können einer Cadmiumbelastung ausgesetzt sein. Auch hier ist es sinnvoll, beim Hersteller nachzufragen.

Leinsamen können ebenfalls Cadmium anreichern; daher pro Tag nicht mehr als 20 g verzehren.

3 Quecksilber

Auch Quecksilber reichert sich bei regelmäßiger Aufnahme im Körper an. Es kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird im Gehirn und Rückenmark gespeichert. Bei Schwangeren kann es die Plazentaschranke überwinden und findet sich dann im Blut des Fötus. Das Neugeborene zeigt durch eine Quecksilber-Belastung im Mutterleib Entwicklungs- und Verhaltensstörungen((Schoeman K, Bend JR, Hill J, Nash K, Koren G. Defining a lowest observable adverse effect hair concentrations of mercury for neurodevelopmental effects of prenatal methylmercury exposure through maternal fish consumption: a systematic review. Ther Drug Monit. 2009 Dec;31(6):670-82.

10. Schoeman K, Bend JR, Hill J, Nash K, Koren G. Defining a lowest observable adverse effect hair concentrations of mercury for neurodevelopmental effects of prenatal methylmercury exposure through maternal fish consumption: a systematic review. Ther Drug Monit. 2009 Dec;31(6):670-82.((Cohen JT, Bellinger DC, Shaywitz BA. A quantitative analysis of prenatal methyl mercury exposure and cognitive development. Am J Prev Med. 2005 Nov;29(4):353-65.
11. Cohen JT, Bellinger DC, Shaywitz BA. A quantitative analysis of prenatal methyl mercury exposure and cognitive development. Am J Prev Med. 2005 Nov;29(4):353-65.((Axelrad DA, Bellinger DC, Ryan LM, Woodruff TJ. Dose-response relationship of prenatal mercury exposure and IQ: an integrative analysis of epidemiologic data. Environ Health Perspect. 2007 Apr;115(4):609-15.