Immer wieder findet man verwirrende Informationen in den Medien zum Eierkonsum. Mal erhöhten Eier drastisch den Cholesterinspiegel und sollten daher von Menschen gemieden werden, die auf ihre Werte achten müssen. Dann wiederum soll sogar ein Ei pro Tag völlig ungefährlich sein.

Was stimmt denn nun?

Zunächst einmal haben gesättigte und Trans-Fettsäuren (siehe zwei Artikel dazu hier und hier) den größten Einfluss auf unsere Cholesterinwerte im Blut. Allerdings reagiert unser Cholesterinspiegel auch auf das Cholesterin in unserer Nahrung. In einer typischen Mischköstler-Ernährung („omnivor“) steigt das Cholesterin im Blut mit der Menge an Cholesterin in der Ernährung linear an, das heißt: Je mehr Cholesterin gegessen wird, desto höher wird das Blutcholesterin. Bei sehr hoher Cholesterinaufnahme (ab 400-500 mg/Tag) hat eine zusätzliche Steigerung des Nahrungscholesterins allerdings kaum noch eine Wirkung1)Hopkins, P. N. (1992): Effects of dietary cholesterol on serum cholesterol: a meta-analysis and review. In: Am J Clin Nutr 55 (6), S. 1060–1070. Online verfügbar unter http://ajcn.nutrition.org/content/55/6/1060.full.pdf.. Ein zusätzliches Ei pro Tag wäre hier gewissermaßen nur noch der Tropfen auf dem heißen Stein.

Nimmt eine Person etwa 100 mg Cholesterin pro Tag mehr aus der Nahrung auf, so erhöht dies ihren Gesamt-Cholesterinspiegel um 2,17 mg/dl, den Wert des „schlechten“ LDL-Cholesterins um 1,93 mg/dl und den des „guten“ HDLs um 0,31 mg/dl (alles statistisch gemittelte Durchschnittswerte)2)Weggemans, Rianne M.; Zock, Peter L.; Katan, Martijn B. (2001): Dietary cholesterol from eggs increases the ratio of total cholesterol to high-density lipoprotein cholesterol in humans: a meta-analysis. In: Am J Clin Nutr 73 (5), S. 885–891. Online verfügbar unter http://ajcn.nutrition.org/content/73/5/885.full.. Diese Werte unterscheiden sich aber von Person zu Person, da sie von verschiedenen Parametern abhängen: Wie hoch ist der Cholesterinspiegel vor der Ernährungsänderung, wie „gut“ kann der Darm der Person das Nahrungscholesterin aufnehmen3)Ros, E. (2000): Intestinal absorption of triglyceride and cholesterol. Dietary and pharmacological inhibition to reduce cardiovascular risk. In: Atherosclerosis 151 (2), S. 357–379., wie sieht der Rest der Ernährung aus? Ausführlichere Erklärungen zu der Thematik können in diesem Artikel nachgelesen werden: Nahrungscholesterin und Cholesterinspiegel.

Was gilt also für Eier?

Ein Ei enthält etwa 280 mg Cholesterin. Geht man davon aus, dass dieses Cholesterin gut vom Darm aufgenommen wird und die Cholesterinaufnahme des Verzehrenden nicht ohnehin schon immens hoch ist, kann ein verstärkter Ei-Konsum also tatsächlich den Cholesterinspiegel erhöhen. Insbesondere Menschen, die auf ihren Cholesterinspiegel achten müssen, also Menschen

  • mit hohem Cholesterinspiegel (Zielwert: um 200 mg/dl Gesamtcholesterin, um 115 mg/dl LDL)
  • mit Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, also Übergewicht, Rauchen, hoher Blutdruck, Bewegungsmangel (Zielwert: < 200 mg/dl Gesamtcholesterin, < 115 mg/dl LDL)
  • mit Diabetes mellitus oder einer koronaren Herzerkrankung (Zielwert: <150 mg/dl Gesamtcholesterin, < 70 mg/dl LDL)

sollten ihren Ei-Konsum einschränken4)Berger, Samantha; Raman, Gowri; Vishwanathan, Rohini; Jacques, Paul F.; Johnson, Elizabeth J. (2015): Dietary cholesterol and cardiovascular disease: a systematic review and meta-analysis. In: Am J Clin Nutr 102 (2), S. 276–294. DOI: 10.3945/ajcn.114.100305.. Wie hoch der Ei-Konsum tatsächlich sein kann, kann nur jeder für sich individuell herausfinden, indem der Eierverzehr mit der Änderung des Cholesterinspiegels beim Arzt über einen Bluttest abgeglichen wird: Wie ändert sich mein Cholesterinspiegel, wenn ich jeden Tag ein Ei esse? Wie verhält er sich, wenn ich auf Eier gänzlich verzichte? Dies sind Fragen, welche die angegebenen Studien nur tendenziell beantworten können, und die daher von jedem Ei-Liebhaber mit kritischen Cholesterinwerten im Selbstversuch angegangen müssen.

Literatur   [ + ]

1. Hopkins, P. N. (1992): Effects of dietary cholesterol on serum cholesterol: a meta-analysis and review. In: Am J Clin Nutr 55 (6), S. 1060–1070. Online verfügbar unter http://ajcn.nutrition.org/content/55/6/1060.full.pdf.
2. Weggemans, Rianne M.; Zock, Peter L.; Katan, Martijn B. (2001): Dietary cholesterol from eggs increases the ratio of total cholesterol to high-density lipoprotein cholesterol in humans: a meta-analysis. In: Am J Clin Nutr 73 (5), S. 885–891. Online verfügbar unter http://ajcn.nutrition.org/content/73/5/885.full.
3. Ros, E. (2000): Intestinal absorption of triglyceride and cholesterol. Dietary and pharmacological inhibition to reduce cardiovascular risk. In: Atherosclerosis 151 (2), S. 357–379.
4. Berger, Samantha; Raman, Gowri; Vishwanathan, Rohini; Jacques, Paul F.; Johnson, Elizabeth J. (2015): Dietary cholesterol and cardiovascular disease: a systematic review and meta-analysis. In: Am J Clin Nutr 102 (2), S. 276–294. DOI: 10.3945/ajcn.114.100305.