Vieles in unserer Ernährung ist eine Sache des (individuellen) Maßes: Zu viel Zucker, zu viel Fett, zu wenig Vitamine und Mineralstoffe – dies alles ist ungesund. Ein Stück Kuchen, das viel Zucker und Fett enthält, muss für eine einzelne Person nicht „ungesund“ sein, wenn es diese glücklich macht und sie nicht gerade an Diabetes leidet. Denn Zucker und Fett sind Energiequellen, die dem Körper eindeutig nutzen, sofern er nicht überernährt ist, d.h. schon zu viel Energie aufgenommen hat. Selbstverständlich ist dies keine Argumentation dafür, nur noch Kuchen zu essen, denn dann hätte man eben schnell ein „zu wenig“ an anderen Stoffen, die der Körper benötigt. Dennoch lässt sich ein Stückchen Kuchen hier und da durchaus mit einer gesunden Ernährungsweise vereinbaren.

Es gibt allerdings einige Stoffe in unserer modernen Ernährung, die man am besten gar nicht zu sich nimmt, da sie keinerlei Nutzen für den Körper mit sich bringen, und ihn auf lange Sicht sogar schädigen – und das schon in sehr geringen Dosen. Dafür sind zwei Mechanismen verantwortlich, die einzeln oder auch kombiniert vorliegen können: 1) Der Stoff wirkt in einer geringen Menge bereits schädigend auf Körpersubstanzen; diese Schäden akkumulieren sich über die Zeit hinweg, wenn das Lebensmittel immer wieder verzehrt wird. 2) Der Stoff reichert sich im Körper an und wirkt dann erst schädigend auf Körpersubstanzen.

Da ich gerne detailliert auf jeden einzelnen dieser Stoffe eingehen möchte, habe ich mich entschieden, eine Serie zu eröffnen, die in regelmäßigen Abständen weitergeführt wird. Heute werde ich mich mit dem oxidierten Cholesterin auseinandersetzen.

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Welche Gefahren birgt oxidiertes Cholesterin?

Zunächst einmal muss man verstehen, was genau Cholesterin ist. Fast jeder hat diesen Begriff schon einmal gehört: Ob in der Werbung (cholesterinsenkende Margarine), beim Hausarzt („Ihr Cholesterin ist zu hoch“) oder selbst bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, DGE („Essen Sie nicht zu viele Eier – dort steckt das „böse“ Cholesterin drin!“). Cholesterin als solches ist erst einmal gar nichts Schlechtes, im Gegenteil, es ist (über)lebensnotwendig! Es ist Bestandteil der Membran jeder einzelnen unserer Zellen, wir brauchen es für die Herstellung von Hormonen (v.a. Testosteron und Östrogen) sowie von Gallensäuren (Fettverdauung) und Vitamin D (Knochenstoffwechsel). Es ist auch wichtig für die Ausbildung von Synapsen, weswegen z.B. ein medikamentöses Herabsenken des Cholesterinspiegels zu Gedächtnisstörungen führen kann1)King, Deborah S.; Wilburn, Amanda J.; Wofford, Marion R.; Harrell, T. Kristopher; Lindley, Brent J.; Jones, Daniel W. (2003): Cognitive impairment associated with atorvastatin and simvastatin. In: Pharmacotherapy 23 (12), S. 1663–1667.. Der Körper stellt daher dieses essentielle Sterol zum größten Teil selbst her. Ein geringer Teil wird allerdings auch über die Nahrung aufgenommen, und zwar ausschließlich aus tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Milchprodukte). Pflanzen enthalten keinerlei Cholesterin.

Der Körper reguliert seinen Cholesterinspiegel normalerweise, indem er die körpereigene Herstellung herunterfährt, wenn er sehr viel über die Nahrung aufnimmt. Viel heißt hier allerdings maximal 0,5 g pro Tag, wohingegen er selbst pro Tag 1-2 g herstellen kann. Es gibt allerdings auch eine geringe Prozentzahl an Menschen, die diesen Regulationsmechanismus nicht besitzen und daher auf ihr Nahrungscholesterin achten müssen, oder auch solche, die einfach zu viel produzieren, und somit einen erhöhten Cholesterinspiegel im Blut haben. Auch im Alter steigt der Cholesterinspiegel bei den meisten Menschen an. Es ist momentan umstritten, ob ein erhöhtes Cholesterin auch zu einer verstärkten Arterienverkalkung (Arteriosklerose) führt, welche dann Herzinfarkte oder Schlaganfälle als Konsequenz habe, auch wenn dies immer wieder in Lehrmeinungen vertreten wird. Bislang konnte kein wirklicher Zusammenhang zwischen Cholesterinspiegeln und dem Grad der Arteriosklerose gefunden werden2)Stehbens, W. E.; Smith, R. L. (1997): Serum cholesterol correlations with atherosclerosis at autopsy. In: Am Clin Lab 16 (3), S. 14–15.. Eine gängige Hypothese zur Entstehung von Arteriosklerose ist aber, dass Cholesterin (das LDL-Cholesterin, eine Untergruppe) oxidiert wird, und in dieser Form von Fresszellen in den Arterienwänden aufgenommen und gespeichert wird. Die Fresszellen wandeln sich zu so genannten Schaumzellen um und verursachen eine Entzündungsreaktion in der Arterienwand, die dazu führt, dass ein Gewebeumbau stattfindet und eine Art „Plaque“ entsteht, die die Arterie immer mehr einengt und den Blutfluss einschränkt. Es ist also nicht wirklich das Cholesterin als solches, das diese Veränderung herbeiführt, sondern erst in seiner oxidierten Form. Der Körper hat nun eine Reihe von Schutzmechanismen, um die Oxidation des Cholesterins zu verhindern: Vitamine (C, E) und sekundäre Pflanzenstoffe wirken als Antioxidantien, die zumindest das körpereigene Cholesterin vor freien Radikalen schützen, die z.B. durch Rauchen, Entzündungen oder Stress entstehen. Befindet sich aber bereits oxidiertes Cholesterin in der Nahrung, ist es bereits zu spät.

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Worin ist oxidiertes Cholesterin zu finden?

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Wie weiter oben schon angedeutet, sind die „Übeltäter“ in unserer Ernährung vor allem unserer modernen Nahrungsmittelproduktion zu verdanken. Oxidiertes Cholesterin kann nämlich immer dann entstehen, wenn tierische Produkte, die bereits natürlicherweise Cholesterin enthalten, industriell verarbeitet werden. Verarbeitet in einer Weise, die sehr viel Luft (engl.: oxygen) an das Lebensmittel herankommen lässt. Dies passiert z.B. bei der Erzeugung von Pulvern, d.h. Eipulver, Milchpulver, Sahne- oder Molkepulver. Hierbei wird das Produkt in einem heißen Luftstrom sprühgetrocknet. Der Luft wird somit eine große Angriffsfläche geboten, um das enthaltene Cholesterin zu oxidieren, und so finden sich in derlei Produkten bis 200-fach erhöhte Werte an oxidiertem Cholesterin gegenüber dem unverarbeiteten Produkt. Nun fragt sich vielleicht der ein- oder andere: „Wer isst denn bitteschön Ei- oder Milchpulver?! Ich jedenfalls nicht!“ Wer schon einmal Milchschokolade oder weiße Schokolade verzehrt hat, kann eigentlich nicht behaupten, dass ihm Milchpulver fremd ist. Die meisten Süßwaren, die man im Supermarkt heute kaufen kann, enthalten als Zutat nicht frische Milch oder frische Eier, sondern eben die Zutat in Pulverform. Zu den Produkten, die derlei Pulver verwenden, zählen auch Pudding- und Saucenpulver, Eiscreme, Eiernudeln (die „guten“ deutschen Spaghetti), oder auch Fertiggerichte. Auch tierische isolierte Fette wie z.B. Butter können sehr viel oxidiertes Cholesterin enthalten. Wem die Gesundheit seiner Arterien lieb ist, der sollte also besser auf stark verarbeitete Produkte und tierische Fette verzichten. Statt Milchschokolade also auf Zartbitter- oder vegane „Milch“schokolade zurückgreifen; selber kochen und backen, letzteres am besten ohne tierische Produkte (pflanzliches Öl statt Butter, Eiersatz und pflanzliche Sahne verwenden); auf italienische Hartweizennudeln ohne Eipulver zurückgreifen.

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Habt ihr noch Fragen zum oxidierten Cholesterin? Stellt sie mir gern in den Kommentaren! :)

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. King, Deborah S.; Wilburn, Amanda J.; Wofford, Marion R.; Harrell, T. Kristopher; Lindley, Brent J.; Jones, Daniel W. (2003): Cognitive impairment associated with atorvastatin and simvastatin. In: Pharmacotherapy 23 (12), S. 1663–1667.
2. Stehbens, W. E.; Smith, R. L. (1997): Serum cholesterol correlations with atherosclerosis at autopsy. In: Am Clin Lab 16 (3), S. 14–15.