Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die durchaus auch tödlich enden kann. Die Wahrscheinlichkeit, in seinem Leben an einer Depression zu erkranken, beträgt 14,6 Prozent1)E. Bromet, L. H. Andrade, I. Hwang, N. A. Sampson, J. Alonso, G. de Girolamo, R. de Graaf, K. Demyttenaere, C. Hu, N. Iwata, A. N. Karam, J. Kaur, S. Kostyuchenko, J. P. Lépine, D. Levinson, H. Matschinger, M. E. Mora, M. O. Browne, J. Posada-Villa, M. C. Viana, D. R. Williams, R. C. Kessler: Cross-national epidemiology of DSM-IV major depressive episode. In: BMC medicine. Band 9, 2011, S. 90. Als die zwei wichtigsten Grundsäulen der Therapie einer Depression gelten die Psychotherapie und Medikamente in Form von Antidepressiva. Dabei wird aber häufig übersehen, dass die Ernährung auch einen ganz wesentlichen Beitrag für ein „glückliches Gehirn“ leisten kann – und das ganz ohne Nebenwirkungen. Sei es dadurch, dass Mangelzustände durch die Ernährung behoben werden, oder dadurch, dass bestimmte Lebensmittel stimmungsaufhellende Wirkungen haben: In dieser Serie soll es um die verschiedenen Möglichkeiten gehen, über die Ernährung auf eine Depression einzuwirken.

Den Beginn macht Safran. 

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt. 1 kg Bio-Safranfäden (Herbaria) kostet bis zu 60.000 (!) Euro! Es wird aus den Blüten einer bestimmten Krokus-Art gewonnen und besitzt neben seiner Eigenschaft, alle Speisen gelb zu färben, einen sehr charakteristischen Geruch.

Mindestens genauso kostbar ist sein Wert für die Psyche, wie Studien zeigen.

In einer ersten Pilotstudie aus dem Jahr 20052)Noorbala, A. A.; Akhondzadeh, S.; Tahmacebi-Pour, N.; Jamshidi, A. H. (2005): Hydro-alcoholic extract of Crocus sativus L. versus fluoxetine in the treatment of mild to moderate depression: a double-blind, randomized pilot trial. In: Journal of ethnopharmacology 97 (2), S. 281–284. DOI: 10.1016/j.jep.2004.11.004. wurde die Wirkung von Safran mit einem sehr häufig verwendeten Antidepressivum verglichen (Fluoxetin). Über sechs Wochen hinweg bekamen Probanden mit einer Depression entweder 30 mg Safran oder 20 mg Fluoxetin pro Tag. Das Ergebnis: Safran war genauso effektiv wie das Medikament! Dieses Ergebnis konnte in weiteren Studien bestätigt werden3)Akhondzadeh Basti, Afshin; Moshiri, Esmail; Noorbala, Ahamad-Ali; Jamshidi, Amir-Hossein; Abbasi, Seyed Hesameddin; Akhondzadeh, Shahin (2007): Comparison of petal of Crocus sativus L. and fluoxetine in the treatment of depressed outpatients: a pilot double-blind randomized trial. In: Progress in neuro-psychopharmacology & biological psychiatry 31 (2), S. 439–442. DOI: 10.1016/j.pnpbp.2006.11.010.. Dabei war Safran auch dann noch genauso effektiv wie Fluoxetin, wenn es mit 40 mg Fluoxetin/Tag verglichen wurde4)Shahmansouri, Nazila; Farokhnia, Mehdi; Abbasi, Seyed-Hesammeddin; Kassaian, Seyed Ebrahim; Noorbala Tafti, Ahmad-Ali; Gougol, Amirhossein et al. (2014): A randomized, double-blind, clinical trial comparing the efficacy and safety of Crocus sativus L. with fluoxetine for improving mild to moderate depression in post percutaneous coronary intervention patients. In: Journal of affective disorders 155, S. 216–222. DOI: 10.1016/j.jad.2013.11.003..

Des Weiteren wurde Safran in verschiedenen Studien5)Akhondzadeh, Shahin; Tahmacebi-Pour, Najaf; Noorbala, Ahamad-Ali; Amini, Homayoun; Fallah-Pour, Hassan; Jamshidi, Amir-Hossein; Khani, Mousa (2005): Crocus sativus L. in the treatment of mild to moderate depression: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial. In: Phytotherapy research : PTR 19 (2), S. 148–151. DOI: 10.1002/ptr.1647.6)Moshiri, Esmail; Basti, Afshin Akhondzadeh; Noorbala, Ahamad-Ali; Jamshidi, Amir-Hossein; Hesameddin Abbasi, Seyed; Akhondzadeh, Shahin (2006): Crocus sativus L. (petal) in the treatment of mild-to-moderate depression: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial. In: Phytomedicine : international journal of phytotherapy and phytopharmacology 13 (9-10), S. 607–611. DOI: 10.1016/j.phymed.2006.08.006. auch mit einem Placebo verglichen, also mit einer „Zucker“-Tablette. Hier zeigte sich bei einem ähnlichen Versuchsaufbau, dass die Safran-Gruppe besser bei Depressions-Fragebögen abschnitt, also Fragebögen, die depressive Symptome abfragen. Die Safran-Gruppe profitierte also von dem Gewürz. Zusätzlich konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden.

Ein möglicher Wirkmechanismus von Antidepressiva ist, dass diese die Produktion von BDNF (brain-derived neurotrophic factor) anregen, einem Botenstoff im Gehirn, der das Überleben und das Wachstum von Neuronen fördert. Dieser Botenstoff ist zudem für Lernen und Gedächtnis wichtig, und – wie vermutet wird – auch für den antidepressiven Effekt mitverantwortlich.

Im Tierexperiment konnte gezeigt werden, dass Safran in der Lage ist, die BDNF-Produktion im Gehirn anzuregen7)Ghasemi, T.; Abnous, K.; Vahdati, F.; Mehri, S.; Razavi, B. M.; Hosseinzadeh, H. (2015): Antidepressant Effect of Crocus sativus Aqueous Extract and its Effect on CREB, BDNF, and VGF Transcript and Protein Levels in Rat Hippocampus. In: Drug research 65 (7), S. 337–343. DOI: 10.1055/s-0034-1371876. – ein möglicher Hinweis darauf, dass Safran tatsächlich über einen ganz ähnlichen Mechanismus wirkt wie Antidepressiva.

Sicherlich besteht noch einiges an Forschungsbedarf bezüglich der Wirkungen von Safran auf die Psyche. Die Studien wurden im Iran durchgeführt, dem Land, das 90 Prozent der weltweiten Safranproduktion durchführt. Eine Wiederholung der genannten Studien von internationalen Forschungsteams ist daher unbedingt erforderlich, um die Wirkung von Safran eindeutig zu bestätigen. Aber da in keiner der Studien von Nebenwirkungen berichtet wurde, schadet es sicher nicht, es bei sich selbst einmal auszuprobieren, ob Safran einen stimmungsaufhellenden Effekt auf die eigene Psyche hat.

Wie bringt man Safran in seiner Ernährung unter?

In den Studien wird eine Menge von 30 mg Safran über bis zu 8 Wochen eingesetzt. Eine größere Menge sollte aufgrund nicht erforschter Nebenwirkungen nicht verwendet werden. Da Safran in der Naturheilkunde zur Auslösung von Fehlgeburten eingesetzt wurde, sollten Schwangere auf das Gewürz, vor allem in diesen Mengen, verzichten. Eine Möglichkeit ist es, die Safranfäden mit einer Feinwaage abzuwiegen und dann als Gewürz über oder in das Essen zu geben (als ganze Fäden oder eingeweicht in Wasser). Möglich wären z.B. zwei Tagesdosen über 15 mg. Alternativ isst man jeden Tag zwei von diesen selbstgemachten Laddus:

Rezept: Kichererbsen-Laddu mit Safran (vegan)

IMG_6054

IMG_6055

Dieses Rezept bietet den Vorteil, dass man seine tägliche Safran-Ration immer griffbereit hat und diese auch noch unglaublich lecker schmeckt! Zudem benötigt man keine Feinwaage zum Abwiegen der 30 mg, sondern kann einfach die gesamte Packung hinzugeben. Für 30 mg Safran/Tag sollte man zwei Laddu-Portionen am Tag essen. Die angegebene Rezept-Menge reicht somit für 15 Tage.

Das Rezept ist zudem vegan – die meisten im Handel erhältlichen Laddus sind mit Ghee, d.h. einer Art Butterschmalz gemacht, und daher nicht vegan!

Für 30 Laddus

140 g Kokosöl (hat einen gewissen Eigengeschmack; wer den nicht mag, nimmt desodoriertes Kokosöl, oder „mildes“ Kokosöl. Menschen, die empfindlich auf gesättigte Fettsäuren reagieren (siehe Cholesterin-Beitrag hier), sollten hier Kakaobutter verwenden.)
150 g + 50 g Kichererbsenmehl, gesiebt
2 EL gehackte Nüsse, z. B. Haselnüsse oder Mandeln
2-3 Kardamomsamen
1 Prise Salz
1 Prise Zimt (optional)
1 Prise Vanillepulver (optional)
180 g Puderzucker, gesiebt (evtl. auch Puder-Erythrit bzw. -Xylit; bislang allerdings noch nicht ausprobiert)
0,5 g Safranfäden (zu Pulver gemörsert) oder Safranpulver

Ich empfehle: Safranfäden* oder Safranpulver*

Zubereitung

Das Kokosöl bei mittlerer Hitze vorsichtig schmelzen. Die 150 g Kichererbsenmehl mit einem Schneebesen einrühren. Die Masse bei leichter Hitze 15-20 Minuten lang rösten lassen und dabei immer wieder umrühren. Die Masse schlägt dabei Blasen und wird flüssig. Das Kichererbsenmehl sollte goldbraun werden, aber auf keinen Fall anbrennen! Wenn es goldbraun geworden ist, das restliche Mehl (50 g) hinzufügen. Es sollten erneut Blasen auf der Oberfläche erscheinen. Wenn die Masse noch flüssig ist, noch 1-2 weitere EL Mehl hinzugeben. Weitere 8 – 10 Minuten kochen. Dabei ständig rühren, da das Mehl sonst unten am Topf/der Pfanne festklebt.
Während der Röstzeit kann man z.B. sehr gut den Kardamom und/oder den Safran mörsern.

Nach 5 Minuten Nüsse, Kardamomsamen, Salz, Zimt und Vanille hinzugeben und leicht mitrösten. Nach insgesamt 10 Minuten den Topf vom Herd nehmen und den Puderzucker langsam und vorsichtig einsieben. Dabei nicht von dem Aussehen der Masse abschrecken lassen, es dauert etwas, bis sie glatt wird und der Zucker vollständig eingerührt ist. Gut weiterrühren, die Masse ist sehr heiß und kocht weiter! Zum Schluss das Safranpulver unterrühren. Die Masse in eine mit Backpapier ausgelegte Form geben und mit einem angefeuchteten Löffel platt drücken. Im Kühlschrank für 2 Stunden lang fest werden lassen. Sie kann dann entweder in Dreiecke geschnitten werden oder zu kleinen Pralinenkugeln verarbeitet werden. Dabei ist es wichtig, dass es 30 Stück werden, damit ihr die enthaltene Safranmenge ungefähr einschätzen könnt (pro Dreieck/Praline 15 mg Safran). Die Laddus dann am besten im Kühlschrank aufbewahren.

Nährwerte pro Laddu (ungefähre Angaben, ca. 18 g pro Stück): 

90 kcal | 1,5 g Protein | 10 g Kohlenhydrate | 5 g Fett

.

Habt ihr noch Fragen zum Thema Safran und Depression? Lasst es mich auch gerne wissen, ob ihr die Laddus ausprobiert habt! :)

Alimonia

.

.

.

*Affiliatelink

Literatur   [ + ]

1. E. Bromet, L. H. Andrade, I. Hwang, N. A. Sampson, J. Alonso, G. de Girolamo, R. de Graaf, K. Demyttenaere, C. Hu, N. Iwata, A. N. Karam, J. Kaur, S. Kostyuchenko, J. P. Lépine, D. Levinson, H. Matschinger, M. E. Mora, M. O. Browne, J. Posada-Villa, M. C. Viana, D. R. Williams, R. C. Kessler: Cross-national epidemiology of DSM-IV major depressive episode. In: BMC medicine. Band 9, 2011, S. 90
2. Noorbala, A. A.; Akhondzadeh, S.; Tahmacebi-Pour, N.; Jamshidi, A. H. (2005): Hydro-alcoholic extract of Crocus sativus L. versus fluoxetine in the treatment of mild to moderate depression: a double-blind, randomized pilot trial. In: Journal of ethnopharmacology 97 (2), S. 281–284. DOI: 10.1016/j.jep.2004.11.004.
3. Akhondzadeh Basti, Afshin; Moshiri, Esmail; Noorbala, Ahamad-Ali; Jamshidi, Amir-Hossein; Abbasi, Seyed Hesameddin; Akhondzadeh, Shahin (2007): Comparison of petal of Crocus sativus L. and fluoxetine in the treatment of depressed outpatients: a pilot double-blind randomized trial. In: Progress in neuro-psychopharmacology & biological psychiatry 31 (2), S. 439–442. DOI: 10.1016/j.pnpbp.2006.11.010.
4. Shahmansouri, Nazila; Farokhnia, Mehdi; Abbasi, Seyed-Hesammeddin; Kassaian, Seyed Ebrahim; Noorbala Tafti, Ahmad-Ali; Gougol, Amirhossein et al. (2014): A randomized, double-blind, clinical trial comparing the efficacy and safety of Crocus sativus L. with fluoxetine for improving mild to moderate depression in post percutaneous coronary intervention patients. In: Journal of affective disorders 155, S. 216–222. DOI: 10.1016/j.jad.2013.11.003.
5. Akhondzadeh, Shahin; Tahmacebi-Pour, Najaf; Noorbala, Ahamad-Ali; Amini, Homayoun; Fallah-Pour, Hassan; Jamshidi, Amir-Hossein; Khani, Mousa (2005): Crocus sativus L. in the treatment of mild to moderate depression: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial. In: Phytotherapy research : PTR 19 (2), S. 148–151. DOI: 10.1002/ptr.1647.
6. Moshiri, Esmail; Basti, Afshin Akhondzadeh; Noorbala, Ahamad-Ali; Jamshidi, Amir-Hossein; Hesameddin Abbasi, Seyed; Akhondzadeh, Shahin (2006): Crocus sativus L. (petal) in the treatment of mild-to-moderate depression: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial. In: Phytomedicine : international journal of phytotherapy and phytopharmacology 13 (9-10), S. 607–611. DOI: 10.1016/j.phymed.2006.08.006.
7. Ghasemi, T.; Abnous, K.; Vahdati, F.; Mehri, S.; Razavi, B. M.; Hosseinzadeh, H. (2015): Antidepressant Effect of Crocus sativus Aqueous Extract and its Effect on CREB, BDNF, and VGF Transcript and Protein Levels in Rat Hippocampus. In: Drug research 65 (7), S. 337–343. DOI: 10.1055/s-0034-1371876.