Personalisierte Ernährungsberatung

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Personalisierte Ernährungsberatung

Eine ganz aktuelle Studie1)Zeevi D, Korem T, Zmora N, Israeli D, Rothschild D, Weinberger A, et al. Personalized Nutrition by Prediction of Glycemic Responses. Cell.163(5):1079-94. vom 19. November in einer renommierten Fachzeitschrift hat nun das bestätigt, was ich seit jeher als die Basis meiner Ernährungsempfehlungen ansehe:

Ob ein bestimmtes Lebensmittel „gesund“ oder „ungesund“ ist, hängt neben dem persönlichen Lebensziel vor allem auch vom eigenen Körper ab, der in einer ganz individuellen Weise auf dieses Lebensmittel reagiert.

Das Forschungsteam konnte zeigen, dass eine hohe Variabilität in der Reaktion von unterschiedlichen Individuen auf genau die gleichen Mahlzeiten besteht. Eigentlich ist dies logisch – wir Menschen unterscheiden uns in genetischer Hinsicht, wir reagieren nicht mit genau den gleichen Symptomen auf Krankheitserreger, einige von uns vertragen bestimmte Medikamente besser als andere, usw.

So unterscheiden wir uns auch bei der so genannten Glucose-Antwort auf eine Mahlzeit. Damit ist gemeint, dass normalerweise nach einer Mahlzeit unser Blutzuckerspiegel ansteigt, vor allem, wenn diese Mahlzeit Kohlenhydrate enthält. Je nachdem wieviele Kohlenhydrate enthalten sind, und in welcher Form diese vorliegen (schnell verdaulich, langsam verdaulich) fällt der Blutzuckeranstieg unterschiedlich aus (er steigt nur leicht oder sehr stark an, und er fällt sehr schnell wieder oder bleibt lange relativ hoch). Er sagt uns, wie gut unsere Körperzellen Glucose aufnehmen können. Je besser dies geht (je niedriger die Glucose-Antwort), desto geringer ist im Allgemeinen das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes und damit auch für Herz-Kreislauferkrankungen.

Aufbau und Ergebnisse der Studie

In der aktuellen Studie wurde der Mechanismus der Glucose-Antwort bei insgesamt 800 Probanden gemessen. Über eine Woche hinweg wurde mit einem speziellen Gerät alle fünf Minuten der Blutzuckerspiegel bestimmt, und die Probanden mussten ein sehr genaues Diättagebuch führen, d.h. alle Lebensmittel mit Mengenangaben aufschreiben, die sie zu sich genommen hatten. Zusätzlich mussten sie ihr Bewegungs- und ihr Schlafverhalten protokollieren. Ergänzt wurden diese Daten mit Informationen zum Lebensstil, zum medizinischen Hintergrund, zu Körpermesswerten (Größe, Gewicht, BMI), Bluttests und Stuhlproben zur Bestimmung der Bakterien im Darm.

Die Forscher fanden zum einen Ergebnisse, die nicht verwunderten: Wenn der Blutzuckerspiegel eher schlechte Werte zeigte (ein sehr hoher/lange hoch bleibender Spiegel = starke Glucose-Antwort), so war dies auch mit bekannten Risikofaktoren wie einem hohen BMI und dem Alter vergesellschaftet (übergewichtige und ältere Menschen neigen zu einem Diabetes Typ II).

Interessant war nun allerdings, dass bestimmte Lebensmittel, die bei dem einen Probanden die höchste Glucose-Antwort auslösten, bei einem anderen Probanden dies noch lange nicht erreichten und umgekehrt. Ein Beispiel: Proband A hatte einen stabilen Blutzuckerspiegel nach einem Keks, aber einen hohen nach einer Banane, bei Proband B war dies genau anders herum (siehe Bild unten). In einem anderen Beispiel, das die Forscher bringen, fand eine übergewichtige Probandin, die kurz davor war, an einem Diabetes zu erkranken, durch die Studie heraus, dass Tomaten, die eigentlich als „gesund“ gelten, bei ihr ungewöhnlicherweise einen „ungesunden“ Blutzuckeranstieg verursachen und demnach von ihr zu meiden sind.

Bearbeitet übernommen von Zeevi and Korem et al., Cell 2015

Bearbeitet übernommen von Zeevi and Korem et al., Cell 2015

Was sind mögliche Einflussfaktoren, die bestimmen, wie genau wir auf Lebensmittel reagieren? 

Mit den zusätzlichen Daten, die erhoben wurden, konnte gezeigt werden, dass eine Assoziation zwischen BMI, einem bestimmten Blutwert (HbA1c, glykiertes Hämoglobin), dem systolischen Blutdruck, der Aktivität eines bestimmten Leberenzyms (Alanin-Aminotransferase) und auch zwischen bestimmten Darmbakterien besteht (Proteobakterien und Enterobacteriacea sind eher nachteilig in Bezug auf eine „gesunde“ Glucose-Antwort). Wie genau Darmbakterien mit unserer Ernährung und unserer allgemeinen Gesundheit zusammemhängen, und wie man sie über die Ernährung beeinflussen kann, dazu wird in nächster Zeit noch ein ausführlicher Blogeintrag kommen.

An dieser Stelle möchte ich nur festhalten, dass durch diese Studie nicht alle Ernährungsempfehlungen als sinnlos erklärt werden dürfen, nur weil sie allgemein gehalten sind! Es gibt nämlich messbare Parameter (Blutwerte), die mir eine Auskunft darüber geben können, wie ich als Individuum auf ein bestimmtes Lebensmittel reagiere. Die Ernährungswissenschaft kann mir aufzeigen, welche Reaktionen möglich sind, wie ich diese messen kann, und auch, wie ich diese beeinflussen kann. Der genaue Weg bis zu diesem Ziel ist aber individuell. Er kann nicht über vorgefertigte Ernährungspläne, die im Internet oder bei bestimmten Ernährungsberatern teuer verkauft werden, abgekürzt werden. Er muss von jedem selbst gegangen werden, der ein Interesse daran hat, seine Ernährung zugunsten seiner Gesundheit und seiner Lebensqualität zu verbessern. Und ich werde versuchen, immer wieder kleine Wegweiser für euch bereitzustellen. :)

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Alimonia

Literatur   [ + ]

2017-09-06T18:20:37+00:00 21 November 2015|Ernährungsberatung, Ernährungswissenschaft|0 Comments

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