Was hilft wirklich bei einer Erkältung?

//Was hilft wirklich bei einer Erkältung?

Was hilft wirklich bei einer Erkältung?

Die Frage „Was hilft wirklich bei einer Erkältung?“ stellt sich fast jeder mindestens ein- bis zweimal im Jahr, nämlich dann, wenn die fiesen Erkältungsviren mal wieder zuschlagen. Bislang gibt es aber eigentlich kaum Mittel, bei denen wissenschaftlich belegt ist, dass sie wirklich eine Erkältung verkürzen oder sogar verhindern können. Die meisten Empfehlungen wie „viele Zitrusfrüchte essen“, „Zwiebelsaft trinken“ beruhen eher auf gutem Glauben – in Studien hat sich ihre Wirkung nicht bestätigt.

Eine große Ausnahme stellt jedoch ein ganz bestimmter Ballaststoff dar, den ich in diesem Blogeintrag vorstellen möchte: β(Beta)-Glucan.

Was ist β-Glucan, und wo kommt es vor? 

β-Glucan ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Kette von Zuckermolekülen (Glucose), die in einer bestimmten Weise aneinandergereiht sind. Es gibt verschiedene Arten von β-Glucanen, die sich darin unterscheiden, wo die Zuckermoleküle jeweils verbunden sind, wo sie sich verzweigen, und welche Eiweiße zusätzlich noch an sie binden. Diese Eigenschaften bestimmen, wie sie auf das Immunsystem wirken können. Denn auch der vielleicht bekannteste aller Ballaststoffe, die Gerüstsubstanz jeder Pflanze, die Cellulose, ist ein β-Glucan (1,4), sie wirkt aber nicht auf das Immunsystem. Nur die sogenannten β-1,3-Glucane, und davon insbesondere die β-1,3/1,6-Glucane haben immunfördernde Eigenschaften1)Bohn JA, BeMiller JN. (1-3)-β-D-Glucans as biological response modifiers: a review of structure-functional activity relationships. Carbohydr Polym. 1995;28(1):3–14. doi: 10.1016/0144-8617(95)00076-3.

Die bedeutsamste Quelle von β-1,3/1,6-Glucanen ist die sogenannte Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Die meisten von euch kennen sie vielleicht in Form von Würfeln im Kühlregal, als Trockenhefe, als Bodensatz im Hefeweizen, oder vielleicht auch in Form von Hefeflocken (im Bild links).

Was hilft wirklich bei einer Erkältung

Welche Wirkungen hat β-1,3/1,6-Glucan?

Bislang sind zu den immunfördernden Wirkungen von β-Glucanen mehr als 6000 Publikationen erschienen2)Vetvicka V, Vetvickova J. beta1,3-glucan: silver bullet or hot air? Open Glycoscience. 2010;3:1–6.. Das Thema ist also wirklich sehr gut erforscht! Umso erstaunlicher ist es da, dass die Empfehlungen noch nicht allgemein bekannt sind. Sehr wahrscheinlich liegt eine Ursache darin, dass sich mit Ernährungsratschlägen eben keine teuren Medikamente und Therapien verkaufen lassen und demzufolge kein Gewinn machen lässt. Höchste Zeit, dies nachzuholen!

In einer Studie aus dem Jahr 20123)Graubaum, Hans-Joachim; Busch, Regina; Stier, Heike; Gruenwald, Joerg (2012): A Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Nutritional Study Using an Insoluble Yeast Beta-Glucan to Improve the Immune Defense System. In: FNS 03 (06), S. 738–746. DOI: 10.4236/fns.2012.36100. bekamen 100 gesunde Probanden entweder ein Placebo oder einen Hefeextrakt mit β-Glucanen über 26 Wochen. Dabei wurde beobachtet, ob die Probanden krank wurden, und welche Symptome sie aufwiesen. In der β-Glucan-Gruppe blieben weitaus mehr Menschen über den Wochenverlauf komplett gesund als in der Placebo-Gruppe (15,6 % versus 2%). Außerdem konnte die β-Glucan-Supplementierung die Symptome wie Halsschmerzen, Husten und Schnupfen stark reduzieren.

Dies konnte auch in einer Studie aus dem Jahr 2013 bestätigt werden: 4)Auinger, Annegret; Riede, Linda; Bothe, Gordana; Busch, Regina; Gruenwald, Joerg (2013): Yeast (1,3)-(1,6)-beta-glucan helps to maintain the body’s defence against pathogens. A double-blind, randomized, placebo-controlled, multicentric study in healthy subjects. In: Eur J Nutr 52 (8), S. 1913–1918. DOI: 10.1007/s00394-013-0492-z. 162 gesunde Probanden bekamen pro Tag entweder 900 mg eines Extrakts aus Bäckerhefe (β-1,3/1,6-Glucane) oder ein gleich aussehendes Placebo, und dies über 16 Wochen hinweg. Als Resultat war die Erkältungsrate der mit Hefe supplementierten Probanden um ein Viertel geringer als die der Placebogruppe. Auch die Symptomstärke (also die Menge und Intensität der Erkältungssymptome wie Schnupfen etc.) war um 15% geringer. Die Hefe-Probanden konnten zudem auch in der Erkältungsperiode besser schlafen.

β-1,3/1,6-Glucan kann sogar helfen, einer erhöhten Infektanfälligkeit nach dem Sport entgegenzuwirken5)Talbott, Shawn; Talbott, Julie (2009): Effect of BETA 1, 3/1, 6 GLUCAN on Upper Respiratory Tract Infection Symptoms and Mood State in Marathon Athletes. In: Journal of sports science & medicine 8 (4), S. 509–515.: 57 Marathon-Läufer bekamen für vier Wochen nach einem Marathon entweder ein Placebo oder ca. 250-500 mg eines Hefeextrakts pro Tag. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe berichtete die Hefe-Gruppe über weniger Infektionen der oberen Atemwege, bessere allgemeine Gesundheit und Energie sowie verringerte Müdigkeit und Anspannung.

Wie nimmt man β-1,3/1,6-Glucan am besten auf?

Etwa 15% einer getrockneten Hefezelle bestehen aus β-Glucan. Das würde bedeuten, dass bereits ein gehäufter Teelöffel (7 g) Hefeflocken genug β-Glucan enthält (1050 mg), um mit der verwendeten Menge aus den Studien mithalten zu können. Da die Produkte unterschiedlicher Hersteller Schwankungen unterliegen können, würde ich pro Tag mindestens einen Esslöffel empfehlen. Hefeflocken gibt es auch unter dem Namen „Würz-Hefeflocken“ oder „Nährhefe“ z.B. im Bioladen oder in der Drogerie. Hierbei ist aber darauf zu achten, dass die meisten biozertifizierten Hefeflocken einen großen Anteil Vollkornmehl enthalten, da sie darauf gezüchtet werden. In dem Fall muss man natürlich mehr davon nehmen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Nur bei denjenigen Produkten, die wirklich zu 100% Hefe enthalten, gilt die oben gemachte Angabe.
Man kann Hefeflocken ubiquitär einsetzen, da sie den Speisen einfach einen etwas würzigeren Geschmack verleihen: Über die Pasta, den Salat oder das Reisgericht streuen, in Saucen und Dips einrühren oder einen sogenannten „Hefeschmelz“ für Aufläufe zubereiten. Habt ihr Interesse an Rezepten mit Hefeflocken? Dann schreibt es mir gern in die Kommentare!

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Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Bohn JA, BeMiller JN. (1-3)-β-D-Glucans as biological response modifiers: a review of structure-functional activity relationships. Carbohydr Polym. 1995;28(1):3–14. doi: 10.1016/0144-8617(95)00076-3
2. Vetvicka V, Vetvickova J. beta1,3-glucan: silver bullet or hot air? Open Glycoscience. 2010;3:1–6.
3. Graubaum, Hans-Joachim; Busch, Regina; Stier, Heike; Gruenwald, Joerg (2012): A Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Nutritional Study Using an Insoluble Yeast Beta-Glucan to Improve the Immune Defense System. In: FNS 03 (06), S. 738–746. DOI: 10.4236/fns.2012.36100.
4. Auinger, Annegret; Riede, Linda; Bothe, Gordana; Busch, Regina; Gruenwald, Joerg (2013): Yeast (1,3)-(1,6)-beta-glucan helps to maintain the body’s defence against pathogens. A double-blind, randomized, placebo-controlled, multicentric study in healthy subjects. In: Eur J Nutr 52 (8), S. 1913–1918. DOI: 10.1007/s00394-013-0492-z.
5. Talbott, Shawn; Talbott, Julie (2009): Effect of BETA 1, 3/1, 6 GLUCAN on Upper Respiratory Tract Infection Symptoms and Mood State in Marathon Athletes. In: Journal of sports science & medicine 8 (4), S. 509–515.
2017-10-25T08:55:06+00:00 28 November 2015|Ernährungswissenschaft|1 Comment

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One Comment

  1. Nils 24. Dezember 2015 at 9:28 - Reply

    Schöner Artikel! Ich bin erkältet und hätte gerne ein paar Rezepte :)

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