Viele Menschen mögen einfach keinen Grüntee. Dieser bittere, grasige, manchmal sogar fischige Geschmack, dazu nach dem Trinken dieses pelzige Gefühl auf der Zunge… Ganz ehrlich, ich kann diese Menschen verstehen. Zumindest dann, wenn sie ihren Grüntee in Teebeuteln im Supermarkt kaufen und nach Packungsanweisung zubereiten. Wenn man ihn nur eine Minute ziehen lässt, ist er ja vielleicht noch einigermaßen erträglich. Aber mit Genuss trinken? Unmöglich! Ärgerlich ist es da, dass Grüntee doch so gesund sein soll…

2013-09-24 001 2013-09-24 001Während eines längeren Aufenthalts habe ich allerdings gelernt, wie Grüntee schmecken kann, und dass ein richtig zubereiteter, hochwertiger Grüntee aus Japan ein ganz anderes Getränk ist als das Gebräu aus Supermarktteebeuteln. Eine leuchtend jadegrüne Farbe, ein frischer, süßlicher Geschmack, ein unvergleichlicher Duft, der in der leeren Teetasse verbleibt, und die leicht anregende und zugleich beruhigende Wirkung – diese Dinge liebe ich am Grüntee – wenn er denn in einer kleinen Kanne aufgebrüht („Je kleiner die Kanne, desto besser der Tee.“) und in winzig kleinen Teetassen serviert wird, die kaum mehr fassen als drei kleine Schlücke. Die Wirkung kommt übrigens durch die Tee-spezifische Aminosäure L-Theanin zustande, die den beruhigenden Effekt vermittelt. Zusammen mit dem enthaltenen anregend wirkenden Koffein erzeugt Grüntee einen besonderen Geisteszustand, den man mit konzentrierter Aufmerksamkeit gleichsetzen könnte1)Nobre, Anna C.; Rao, Anling; Owen, Gail N. (2008): L-theanine, a natural constituent in tea, and its effect on mental state. In: Asia Pac J Clin Nutr 17 Suppl 1, S. 167–168.. Nicht zuletzt setzen Mönche traditionell Grüntee als Unterstützung für ihre Meditationen ein.

Wieder etwas ganz anderes ist Matcha (抹茶), japanisch für „gemahlener Tee“. Die getrockneten Grünteeblätter werden in Steinmühlen ganz fein gemahlen. Zur Zubereitung wird ein Gramm vom entstandenen Grünteepulver mit heißem Wasser in einer speziellen Schale aufgegossen und mit einem Bambusbesen schaumig aufgeschlagen. Aufgrund der besonderen Zubereitung und der Aufnahme des gesamten Grünteepulvers schmeckt Matcha wirklich ganz anders als der normale Grüntee, der ja lediglich ein Aufguss ist, bei dem die Blätter in der Kanne verbleiben und nur die löslichen Inhaltsstoffe in das Wasser übertreten. Dies macht Matcha aber auch reicher an gewissen Inhaltsstoffen. 100 ml Matcha haben z.B. fast so viel Koffein wie 100 ml Kaffee, wohingegen Grüntee nur 1/4 des Koffeingehalts von Kaffee aufweist. Auch in Polyphenolen, Kalium und Folsäure ist Matcha dem „normalen“ Grüntee überlegen.2)http://www.keikotee.de/LiteratureRetrieve.aspx?ID=108750; abgerufen am 29.05.2015 Zu den Polyphenolen zählen insbesondere das Zungenbrecher-Antioxidans Epigallocatechingallat, oder kurz: EGCG, das eine hemmende Wirkung auf die Krebsentstehung3)Zhu, Bao-He; Zhan, Wen-Hua; Li, Zheng-Rong; Wang, Zhao; He, Yu-Long; Peng, Jun-Sheng et al. (2007): (-)-Epigallocatechin-3-gallate inhibits growth of gastric cancer by reducing VEGF production and angiogenesis. In: World J Gastroenterol 13 (8), S. 1162–1169., auf die Entwicklung von Atherosklerose4)Lorenz, Mario; Wessler, Silja; Follmann, Elena; Michaelis, Wanda; Dusterhoft, Thomas; Baumann, Gert et al. (2004): A constituent of green tea, epigallocatechin-3-gallate, activates endothelial nitric oxide synthase by a phosphatidylinositol-3-OH-kinase-, cAMP-dependent protein kinase-, and Akt-dependent pathway and leads to endothelial-dependent vasorelaxation. In: J Biol Chem 279 (7), S. 6190–6195. DOI: 10.1074/jbc.M309114200.5)Widlansky, Michael E.; Hamburg, Naomi M.; Anter, Elad; Holbrook, Monika; Kahn, David F.; Elliott, James G. et al. (2007): Acute EGCG supplementation reverses endothelial dysfunction in patients with coronary artery disease. In: J Am Coll Nutr 26 (2), S. 95–102., von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson6)Ehrnhoefer, Dagmar E.; Bieschke, Jan; Boeddrich, Annett; Herbst, Martin; Masino, Laura; Lurz, Rudi et al. (2008): EGCG redirects amyloidogenic polypeptides into unstructured, off-pathway oligomers. In: Nat Struct Mol Biol 15 (6), S. 558–566. DOI: 10.1038/nsmb.1437. sowie Entzündungsprozessen7)Shin, Hye-Young; Kim, Sang-Hyun; Jeong, Hyun-Ja; Kim, Sang-Yong; Shin, Tae-Yong; Um, Jae-Young et al. (2007): Epigallocatechin-3-gallate inhibits secretion of TNF-alpha, IL-6 and IL-8 through the attenuation of ERK and NF-kappaB in HMC-1 cells. In: Int Arch Allergy Immunol 142 (4), S. 335–344. DOI: 10.1159/000097503. (inkl. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) im Körper hat. EGCG macht ein ganzes Drittel der Trockenmasse von Grüntee aus, die man beim Matcha ja komplett aufnimmt.

Traditionell zubereiteter Matcha mit japanischen Süßigkeiten.

Es kann sich also durchaus lohnen, sich einmal an hochwertigen japanischen Grüntee bzw. Matcha heranzuwagen! Für Einsteiger habe ich daher einmal ein Rezept herausgesucht, die sich langsam an den Geschmack herantasten wollen: Matcha Latte. Nur Vorsicht – „Latte“ darf hier nicht als normale tierische Milch verstanden werden, da das in dieser Milch enthaltene Casein (ein Milcheiweiß) die Polyphenole, also auch das EGCG, bindet. Es kann in dieser gebundenen Form nicht vom Körper aufgenommen werden. Ich empfehle daher eine pflanzliche Milch mit nicht zu hohem Proteingehalt (wie z.B. Sojamilch). Ich mag z.B. sehr gerne einen Reis-Kokos-Drink, da er relativ süß ist und gut mit dem Matcha-Eigengeschmack harmoniert.

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Matcha-Latte

Zutaten:

100 ml aufgekochtes und auf 80°C abgekühltes Wasser
1 Teelöffel hochwertiges Matcha-Pulver
100 ml warme (ggf. aufgeschäumte) Pflanzenmilch (z.B. Reis-Kokos)
1 TL Honig oder etwas Stevia (optional)

Zubereitung:

Das Matcha-Pulver in eine Matcha-Schale geben und mit dem heißen Wasser übergießen. Mit einem Bambusbesen schaumig schlagen und die Pflanzenmilch hinzugeben. Nach Wahl süßen.
Ohne Bambusbesen: Option 1) Das Matcha-Pulver in einer Tasse mit etwas heißem Wasser zu einer Paste verrühren und das restliche Wasser und die Milch hinzugeben. Option 2) Alle Zutaten sowie einen Esslöffel Kokosöl hin einen Mixer geben und eine Minute mixen. Das Ergebnis wird hier besonders schaumig!

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Zum Schluss noch einige Tipps, die das Matchapulver betreffen. Ich würde hier wirklich ein hochwertiges wählen, da mittlerweile sehr günstige, aber dafür schlechte Pulver im Handel sind, bei denen ein Grüntee vermahlen wird, der eigentlich nicht für Matcha geeignet ist und dementsprechend furchtbar schmeckt. Ein Kauf wäre herausgeschmissenes Geld und noch dazu vergrault man sich den Matcha-Genuss wahrscheinlich für immer. Ich habe unglaublich gute Erfahrungen mit den Teesorten der Firma KEIKO (www.keiko.de) gemacht. Diese bietet ausschließlich Teesorten aus kontrolliert biologischem Anbau an und testet diese auf Radioaktivität und sonstige schädliche Substanzen (siehe Website). Eine Besonderheit ihres Matchas ist auch, dass die Grünteeblätter nach Deutschland geflogen und erst hier vermahlen werden. Danach wird das Pulver absolut Sauerstoff-dicht in einer Stickstoffatmosphäre verpackt, sodass der Tee kaum oxidiert – ein wichtiges Kriterium für den Geschmack und auch für den Erhalt der Inhaltsstoffe8)http://www.keiko.de/Veranstaltungen/anbau-und-herstellung-matcha; abgerufen am 29.05.2015. Ich war in ihrer Produktionsstätte vor Ort und habe mich von der großartigen Arbeit dieser Teefirma überzeugen können.

Ein weiterer Punkt ist die Aufbewahrung der geöffneten Packung. Ich würde hier die Aufbewahrung im Gefrier(!)schrank empfehlen, da dort die Oxidation wirklich sehr verlangsamt wird. Die Packung sehr gut und möglichst luftdicht schließen und nur kurz zum Herausnehmen des Matchas öffnen. Auf diese Weise bleibt einem das Pulver sehr lange in einer leuchtenden Farbe erhalten, die anzeigt, dass bislang kaum unerwünschte Oxidation stattgefunden hat.

Wer bei Matcha alles richtig machen möchte, dem empfehle ich folgenden Blogartikel: 7 Dinge, die man bei Matcha falsch machen kann.

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Und jetzt wünsche ich viel Spaß und Genuss beim Ausprobieren dieser unglaublich gesunden Köstlichkeit! Habt ihr schon einmal Matcha probiert? Schreibt es mir gern in die Kommentare!

Alimonia

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Image Credits:
1) Chocolate Mini Cupcakes and Matcha Latte CC BY 2.0 by Kirinohana
2) © Linda Weißer
3) © Linda Weißer

Literatur   [ + ]

1. Nobre, Anna C.; Rao, Anling; Owen, Gail N. (2008): L-theanine, a natural constituent in tea, and its effect on mental state. In: Asia Pac J Clin Nutr 17 Suppl 1, S. 167–168.
2. http://www.keikotee.de/LiteratureRetrieve.aspx?ID=108750; abgerufen am 29.05.2015
3. Zhu, Bao-He; Zhan, Wen-Hua; Li, Zheng-Rong; Wang, Zhao; He, Yu-Long; Peng, Jun-Sheng et al. (2007): (-)-Epigallocatechin-3-gallate inhibits growth of gastric cancer by reducing VEGF production and angiogenesis. In: World J Gastroenterol 13 (8), S. 1162–1169.
4. Lorenz, Mario; Wessler, Silja; Follmann, Elena; Michaelis, Wanda; Dusterhoft, Thomas; Baumann, Gert et al. (2004): A constituent of green tea, epigallocatechin-3-gallate, activates endothelial nitric oxide synthase by a phosphatidylinositol-3-OH-kinase-, cAMP-dependent protein kinase-, and Akt-dependent pathway and leads to endothelial-dependent vasorelaxation. In: J Biol Chem 279 (7), S. 6190–6195. DOI: 10.1074/jbc.M309114200.
5. Widlansky, Michael E.; Hamburg, Naomi M.; Anter, Elad; Holbrook, Monika; Kahn, David F.; Elliott, James G. et al. (2007): Acute EGCG supplementation reverses endothelial dysfunction in patients with coronary artery disease. In: J Am Coll Nutr 26 (2), S. 95–102.
6. Ehrnhoefer, Dagmar E.; Bieschke, Jan; Boeddrich, Annett; Herbst, Martin; Masino, Laura; Lurz, Rudi et al. (2008): EGCG redirects amyloidogenic polypeptides into unstructured, off-pathway oligomers. In: Nat Struct Mol Biol 15 (6), S. 558–566. DOI: 10.1038/nsmb.1437.
7. Shin, Hye-Young; Kim, Sang-Hyun; Jeong, Hyun-Ja; Kim, Sang-Yong; Shin, Tae-Yong; Um, Jae-Young et al. (2007): Epigallocatechin-3-gallate inhibits secretion of TNF-alpha, IL-6 and IL-8 through the attenuation of ERK and NF-kappaB in HMC-1 cells. In: Int Arch Allergy Immunol 142 (4), S. 335–344. DOI: 10.1159/000097503.
8. http://www.keiko.de/Veranstaltungen/anbau-und-herstellung-matcha; abgerufen am 29.05.2015