Ich brauch‘ doch keine Ernährungsberatung…

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Ich brauch‘ doch keine Ernährungsberatung…

Fünf (schlechte) Gründe, eine Ernährungsberatung abzulehnen

Vielleicht hat der/die ein oder andere von euch schon einmal überlegt, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen, sich dann aber doch dagegen entschieden. Die Gründe für diese Entscheidung können zahlreich und zum Teil auch gerechtfertigt sein. In diesem Post stelle ich aber diejenigen vor, die man vielleicht nochmal überdenken sollte.

Ich will ja gar nicht abnehmen! Wofür brauche ich dann eine Ernährungsberatung?!
Grund Nr. 1

ADa in den Medien zumeist in Bezug auf das Thema Diäten und Abnehmen Ernährungsberater hinzugezogen werden, sehen viele Menschen den Ernährungsberater primär als „Diät-Choach“. Auch sonst ist unter den Ernährungsthemen das Abnehmen ungeschlagen Thema Nr. 1: 38%, d.h. mehr als ein Drittel aller Deutschen über 16 Jahre haben schon mindestens eine Diät gemacht, und fast jeder zweite würde gerne abnehmen1)http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/PD_2014_08.pdf; abgerufen am 13.05.15. Dabei hat das Thema Ernährung sehr viel mehr zu bieten. Kann die richtige Ernährung auf der einen Seite zu dem eigenen Traumkörper führen, so kann sie auf der anderen Seite auch zu mehr geistiger und/oder körperlicher Leistung beitragen und somit vielleicht sogar für Erfolg im Sport, im Beruf oder Freizeitleben sorgen (Stichwort: Selbstoptimierung). Auch manche Krankheiten (Reizdarmsyndrom, Migräne, Neurodermitis, …) können durch die Ernährung ausgelöst oder gefördert werden. Man sollte daher eine Ernährungsberatung nicht von vornherein ausschließen, denn bei so manchem Problem, das vielleicht auf den ersten Blick nicht mit der Ernährung zusammenhängt, kann sie durchaus sinnvoll sein.

Heutzutage steht doch eh alles, was man zur Ernährung wissen muss, in Zeitschriften oder im Internet!
Grund Nr. 2

AIn der Tat sind die Medien voll von Ratschlägen und Tipps zur gesunden Ernährung, zum Abnehmen, zum Muskelaufbau und vielem mehr. Das Problem hierbei ist allerdings, dass diese Medien um Aufmerksamkeit kämpfen und diese natürlich am ehesten dadurch bekommen, dass sie den Menschen das erzählen, was diese auch hören möchten. Abnehm-Versprechen wie „10 Kilo in 10 Tagen“ oder „Detox“-Programme mit bestimmten Tees o.ä., die unerlässlich für die Gesundheit sein sollen, aber ein Vermögen kosten, sind hierbei an der Tagesordnung und schlichtweg unsinnig – sie ziehen aber dennoch unglaublich viele Menschen in ihren Bann. Zudem werden viele Erkenntnisse aus der Wissenschaft auch zu stark vereinfacht oder pauschalisiert. Eine Ernährungsberatung kann an dieser Stelle helfen, Irrtümer aufzuklären, eindeutige Falschaussagen zu entlarven und verständliche Erklärungen zu liefern, was sich nicht nur positiv auf die Gesundheit, sondern vor allem auch auf den Geldbeutel auswirken wird.

Die Medien sind außerdem oft widersprüchlich in ihren Empfehlungen – auf der einen Website wird Low oder No Carb (wenig/keine Kohlenhydrate) propagiert, in der nächsten Zeitschrift liest man von der Pasta-Diät (Kohlenhydrate pur). In einigen Bodybuilding-Kreisen heißt es, so oft essen wie möglich, in anderen wiederum empfiehlt man intermittierendes Fasten. In der Ernährungsberatung kann man herausfinden, was die Vor- und Nachteile bestimmter Ernährungsformen sind, und ob sie auch für einen selbst empfehlenswert sind. Viele Menschen probieren immer wieder die neuesten Ernährungs-„Trends“ aus, nur um dann jedes Mal festzustellen, dass es ihnen nicht gut damit geht. Das frustriert und nimmt auf Dauer die Lust, die Ernährung zum Positiven zu verändern. Eine Ernährungsberatung kann hier vorgreifen und bereits vorab klären, wie sinnvoll es tatsächlich ist, etwas auszuprobieren.

Eine Ernährungsberatung ist doch viel zu teuer! 
Grund Nr. 3

AEine häufige Aussage, die man in Bezug auf die Ernährung allgemein immer wieder hört, ist, dass man doch für „so etwas“ nicht so viel Geld ausgeben möchte. Dabei ist die Ernährung etwas, was unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit hat – im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, in die man sein Geld investiert. Spätestens wenn man einmal krank ist, wird einem klar, dass die Gesundheit mit eines der wertvollsten Dinge ist, die man besitzt. Warum also in ein teures Motoröl für den Wagen investieren, aber nicht in ein gutes Olivenöl? Eine Ernährungsberatung mag zudem anfangs sehr teuer erscheinen, aber man lernt dort auch, Kostenfallen durch falsche Werbeversprechen (s.o.) zu entgehen und seine Lebensmittel so zu verwenden, dass man Geld sparen kann ohne Abstriche in Bezug auf die Gesundheit machen zu müssen. Auf lange Sicht wirkt sich eine Ernährungsberatung also durchaus günstig aus.

Mit meinem Essverhalten geh‘ ich doch nicht zu Ernährungsberatung – ich weiß ohnehin schon, was ich falsch mache!
Grund Nr. 4

A Häufig wird eine Ernährungsberatung auch aus Scham oder Unsicherheit abgelehnt, wenn man schon weiß, was man in seiner Ernährung verbessern könnte, oder wenn man sich bewusst ist, dass man ein gestörtes Essverhalten hat. In der Ernährungsberatung geht es jedoch nicht darum, jemandem die Fehler unter die Nase zu reiben, die er in Bezug auf seine Ernährung macht, sondern darum, konkrete Hilfen zu geben, die den Umgang mit dem Essen erleichtern und verbessern können. Es geht in so einem Fall nicht um Ratschläge wie „Essen Sie keine Süßigkeiten mehr!“, sondern um Überlegungen, wie man Süßigkeiten z.B. so in seine Ernährung integrieren kann, dass sie möglichst wenig gesundheitlichen Schaden anrichten. Die eigene Ernährungsweise ist ein sehr komplexes Thema, das von der Umwelt, der eigenen Vergangenheit und der Biologie mitgeprägt wird, und somit nichts, wofür man sich schämen müsste. Eine gute Ernährungsberatung berücksichtigt dies und legt den Fokus immer auf kleine Fortschritte in der Ernährung.

Ich will mir nicht vorschreiben lassen, was und wie ich esse!
Grund Nr. 5

In den wenigsten Beratungssitzungen geht es darum, dem Kunden einen vorgefertigten Ernährungsplan vor die Nase zu legen. Der Kunde entscheidet selbst, wie genau er seine Ernährung verbessern möchte, wie weit er seine Ernährung umstellen und den Empfehlungen nachkommen möchte. Empfehlungen sind zudem meist nicht einfach schwarz-weiß („Dies ist gut; das ist schlecht!“), sondern bestehen aus mehreren Optionen, bei denen der Kunde nach seinen eigenen Vorlieben und Möglichkeiten eine für ihn selbst zufriedenstellende Entscheidung treffen kann. Im Einzelfall kann es tatsächlich helfen, sich an einem Plan zu orientieren, aber auch das ist jedem selbst überlassen.

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Ich hoffe, die genannten Gründe haben euch bei eurer Entscheidungsfindung etwas weitergeholfen!

Was sind für euch gute Gründe, sich gegen eine Ernährungsberatung zu entscheiden? Schreibt sie mir gern in die Kommentare! :)

Alimonia

 

Literatur   [ + ]

1. http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/PD_2014_08.pdf; abgerufen am 13.05.15
2017-09-06T18:20:38+00:00 16 Mai 2015|Ernährungsberatung|3 Comments

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Administratorin von alimonia.net | Ernährungsberaterin

3 Comments

  1. Berthold 16. Mai 2015 at 18:45 - Reply

    Hallo Alimonia,

    bei der Geldanlageberatung ist es genauso. Fast niemand möchte für eine Anlageberatung bezahlen. Deshalb schlagen die Berater ihre Vergütung als Provision auf die Finanzprodukte auf, die sie verkaufen. Mein Cousin arbeitet in der Branche. Er würde gerne eine unabhängige Anlageberatung anbieten. Aber davon könnte er nicht leben.

    Wenn die Krankenkassen die Kosten für Ernährungsberatung übernehmen, dann sieht die Sache schon anders aus. Die zahlen aber wohl lieber die Behandlungskosten für Schlaganfallpatienten.

    Viele Grüße

    Berthold

  2. Thomas 17. Mai 2015 at 12:18 - Reply

    Das Problem ist, dass die Präventionsmaßnahme „Ernährungsberatung“ vermutlich nicht mit Statinen und Antihypertensiva mithält. Ich kenne mich in der Literatur dahingehen nicht aus – gibt es untersuchungen dazu? (z.b. numbers needed to treat, QALY, u.s.w.)

  3. Alimonia 20. Mai 2015 at 20:27 - Reply

    Es gibt nicht allzu viele Studien, in der Medikamente und eine standardisierte Ernährungsberatung in ihrer Wirkung auf Blutdruck/Lipidwerte direkt miteinander verglichen werden. Das liegt zumeist am Studiendesign: Es wird meist für sinnvoller erachtet, ein Medikament mit einem Placebo bzw. zwei Medikamente untereinander zu vergleichen. Eine Studie, die sehr eindrücklich zeigt, dass zumindest eine Ernährungsumstellung mit Lovastatin mithalten kann, ist z.B. diese: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15699225
    Natürlich kann eine Ernährungsberatung als Präventionsmaßnahme immer nur dann auch effektiv sein, wenn sie beim Patienten mit einer Ernährungsumstellung einhergeht – was natürlich unwahrscheinlich ist, wenn die Ernährungs“beratung“ in dem vom Hausarzt geäußerten Satz: „Essen Sie mehr Obst und Gemüse!“ besteht.
    Die Variable „Ernährungsberatung“ ist generell schlecht in Studien einsetzbar, denn Studien verlangen ein hohes Maß an Standardisierung; Patienten dagegen benötigen eine individualisierte Beratung und keine 0815-Floskeln, um die Ernährung auch tatsächlich umstellen zu können. Nur interessiert die Krankenkassen natürlich keine Maßnahme, deren Effektivität nicht ausführlich in Studien belegt wurde. Und außerdem kann man mit einer Empfehlung zur Ernährungsumstellung auch nicht so viel Geld verdienen wie mit Medikamenten, wie die Pharmafirmen sicherlich anmerken würden.
    Dass eine tatsächlich unternommene Ernährungsumstellung in vielen Fällen denselben Effekt hat wie so manches Medikament, das lässt sich sehr gut durch Studien belegen und wird auch hier im Blog immer wieder Thema sein.

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