Die Lügen der Medien – Teil 4: Detoxing

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Die Lügen der Medien – Teil 4: Detoxing

Spätestens im nächsten Frühjahr wird man in vielen Medien und Social-Media-Kanälen wieder von den obligatorischen „Entschlackungskuren“ lesen. Auf instagram wird „Detox-Tee“ beworben, und in den Läden findet man allerlei Pülverchen und Smoothie-Mixturen, die den Körper angeblich „entgiften“ sollen. In diesem Blogpost soll es darum gehen, ob die Detox-Theorie wissenschaftlich haltbar ist, oder nurmehr eine Werbelüge der Industrie und Gesundheits-„Gurus“.

Die Idee des „Entschlackens“/Detoxings

Vertreter dieser alternativmedizinischen Theorie behaupten, dass der Körper durch Stress, falsches Essen, Umweltgifte wie Nikotin und Alkohol, Bewegungsmangel und den allgemeinen Stoffwechsel Gifte oder Toxine speichere, die sich im Körper als „Schlacken“ ansammelten und ihn krank machten. Um diesen Prozess zu unterbrechen, müsse man den Körper „entschlacken“ und ihn so von den Toxinen befreien. Dies sei über verschiedene Maßnahmen zu erreichen, so auch u.a. durch eine Detox-Diät. Diese besteht meist darin nur eine limitiert Menge an Lebensmitteln aufzunehmen, denen entgiftende Eigenschaften zugesprochen werden (z.B. nur Wasser, „Entschlackungs“-Tees, Säfte oder nur Obst und Gemüse).

Detox Beitrag Tee

Was ist dran am Detoxing?

Dass man generell auf eine gesunde Ernährung ohne Zusatzstoffe achtet, die nicht zu fett- und proteinreich ist, ist zunächst einmal sinnvoll. Die Theorie der Detox-Anhänger ist jedoch grundlegend falsch1)Klein, A. V.; Kiat, H. (2014): Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence. In: Journal of human nutrition and dietetics : the official journal of the British Dietetic Association. DOI: 10.1111/jhn.12286.. Zunächst einmal verfügt der menschliche Körper über ein sehr ausgereiftes Entgiftungssystem (vor allem Leber, Niere), das diejenigen Gifte, die wir alltäglich über unsere Umwelt aufnehmen, effizient wieder ausscheiden kann. Wäre dem nicht so, könnte ein „normaler“ menschlicher Organismus kaum ein durchschnittliches Maximalalter von ca. 80 Jahren2)https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Tabellen/LebenserwartungDeutschland.html; abgerufen am 04.11.2015 erreichen. Wenn jedoch die Entgiftungssysteme des Körpers tatsächlich versagen, so hilft ihm auch eine Detox-Kurs nicht. So verstarb z.B. im Jahr 2012 ein Mann in dem falschen Glauben, dass er bei Nierenversagen auf eine Dialyse verzichten könne und stattdessen die Toxine durch „entgiftendes Fasten“ ausscheiden würde3)http://www.smh.com.au/news/National/Detox-program-led-to-kidney-patients-death-court-told/2005/04/26/1114462042020.html; abgerufen am 04.11.2015.

„Schlacke“ ist ein erfundener Begriff, der allenfalls im Zusammenhang mit Erzverarbeitung oder Vulkanausbrüchen verwendet werden kann, jedoch auf nichts im menschlichen Körper zutrifft. Der Gedanke, dass im eigenen Körper tatsächlich „Schlacken“ vorhanden sein könnten, löst aber sofort ein Unbehagen aus, das sich die meisten Detox-Vertreter zunutze machen, um ihre Produkte und Ernährungsempfehlungen populär zu machen.

Der Markt an Tees, Nahrungsergänzungsmitteln, Saftkuren und Kosmetikprodukten zum Thema „Detox“ ist riesig. Sämtliche Statements, die entgiftende Eigenschaften bewerben, sind jedoch nicht haltbar. Wer die Produkte also zu diesem Zweck kauft, wirft sein Geld zum Fenster heraus. Die Stiftung „Sense About Science“ deckt beispielsweise hier sehr schön bei 15 Produktbeispielen auf, welche Falschaussagen jeweils getroffen werden.

Was kann man für sich mitnehmen? 

Viel sinnvoller ist es, den Körper gar nicht erst mit zu vielen Toxinen zu belasten. Hierbei kann man darauf achten, möglichst viele Lebensmittel aus biologischem Anbau zu kaufen, auf Fertiggerichte, Kantinenessen und Fastfood zu verzichten. Toxine in Form von Schwermetallen können auch in Fisch und Meeresfrüchten enthalten sein, wozu ein ausführlicher Blogeintrag folgen wird. Zu den einzelnen Giftstoffen in unserer Ernährung werden in meiner „Übeltäter“-Serie immer wieder Artikel erscheinen – dies würde hier jetzt zu weit führen.
Auch eine Ernährungsumstellung, die zu einem Gewichtsverlust führt, bzw. das von den Detox-Anhängern gepredigte Fasten selbst, kann zu einer Freisetzung von Toxinen führen, die im Fettgewebe gespeichert wurden4)La Merrill, Michele; Emond, Claude; Kim, Min Ji; Antignac, Jean-Philippe; Le Bizec, Bruno; Clement, Karine et al. (2013): Toxicological function of adipose tissue: focus on persistent organic pollutants. In: Environmental health perspectives 121 (2), S. 162–169. DOI: 10.1289/ehp.1205485.. Ich empfehle hier, nicht mehr als 500 g Fettgewebe pro Woche abzubauen, damit die entgiftenden Organsysteme nicht überlastet werden.

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Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig die Augen für diese Medien-Lüge öffnen. Habt ihr noch Fragen zum Thema „Detoxing“? Schreibt sie mir gern in die Kommentare!

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Klein, A. V.; Kiat, H. (2014): Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence. In: Journal of human nutrition and dietetics : the official journal of the British Dietetic Association. DOI: 10.1111/jhn.12286.
2. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Sterbefaelle/Tabellen/LebenserwartungDeutschland.html; abgerufen am 04.11.2015
3. http://www.smh.com.au/news/National/Detox-program-led-to-kidney-patients-death-court-told/2005/04/26/1114462042020.html; abgerufen am 04.11.2015
4. La Merrill, Michele; Emond, Claude; Kim, Min Ji; Antignac, Jean-Philippe; Le Bizec, Bruno; Clement, Karine et al. (2013): Toxicological function of adipose tissue: focus on persistent organic pollutants. In: Environmental health perspectives 121 (2), S. 162–169. DOI: 10.1289/ehp.1205485.
2017-09-06T18:20:37+00:00 12 Dezember 2015|Ernährungstrends, Ernährungswissenschaft|0 Comments

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