Die Lügen der Medien – Teil 2: Weizen macht dick und krank

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Die Lügen der Medien – Teil 2: Weizen macht dick und krank

In seinem Buch „Weizenwampe – warum Weizen dick und krank macht“ bezeichnet der US-Autor William Davis Weizen als die Wurzel allen Übels. Er verursache nicht nur Darmerkrankungen wie die Zöliakie, sondern mache dick, fördere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Haut- und Hirnschäden. Außerdem führe er zu einer vorzeitigen Alterung und löse Suchterscheinungen aus. Davis ist der Meinung, dass sich durch einen Verzicht auf Weizen nahezu alle Zivilisationskrankheiten beseitigen ließen. In diesem Artikel will ich mit einigen Lügen in William Davis‘ Buch aufräumen. 

Lüge Nr. 1: Weizen macht dick

In seinem Buch führt Davis eine Studie der Mayo-Klinik an1)Murray, Joseph A.; Watson, Tureka; Clearman, Beverlee; Mitros, Frank (2004): Effect of a gluten-free diet on gastrointestinal symptoms in celiac disease. In: The American journal of clinical nutrition 79 (4), S. 669–673.. In dieser wurde u.a. der Gewichtsverlauf von 215 Patienten mit neu diagnostizierter Zöliakie beobachtet. Zöliakie ist eine Krankheit, bei der der Darm durch ein Klebereiweiß (Gluten) aus Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste usw. stark geschädigt wird. Die stark Übergewichtigen unter diesen 215 Patienten (25 an der Zahl) nahmen unter einer weizen- und glutenfreien Diät innerhalb von 6 Monaten 12,5 kg ab, was Davis‘ These stützen würde. Allerdings überschlägt er dabei die Tatsache, dass fast 75% aller Studienteilnehmer normal- bzw. untergewichtig waren. Diese Patienten nämlich (91 an der Zahl) nahmen durch eine weizenfreie Diät sogar sinnvollerweise zu (durchschnittlich 7,5 kg), weil sich der Darm erholen konnte. Der durchschnittliche BMI aller Teilnehmer hat sich auch nach den 6 Monaten weizenfreier Diät nicht verändert.

Was stimmt: Viele Süßigkeiten und Snacks bestehen aus Weizen. Dass diese dick machen können, liegt aber nicht am Weizen an sich, sondern daran, dass sie oftmals sehr viel Zucker und Fett enthalten, und dass sie in zu großen Mengen und zu häufig verzehrt werden.

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Lüge Nr. 2: Weizen ist die Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Seit 1985 ist die Herzinfarktrate in Deutschland um 25% gesunken2)http://www.kup.at/journals/abbildungen/gross/1442.html; abgerufen am 17.09.2015. Der pro-Kopf-Verbrauch von Weizenmehl ist dagegen seit 1970 kontinuierlich gestiegen3)http://de.statista.com/statistik/daten/studie/318392/umfrage/pro-kopf-konsum-von-weizenmehl-in-deutschland/; abgerufen am 17.09.2015. Wenn Weizen also ursächlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wäre, wie Davis behauptet, müsste der Zusammenhang genau umgekehrt sein. Wie kann es möglich sein, dass wir Menschen trotz hohen Getreidekonsums immer älter werden?

Was stimmt: Wenn jemand generell zu viel isst (und viele Lebensmittel bestehen heutzutage aus Weizen) und dadurch Übergewicht entwickelt, steigt das Risiko für einen ernährungsbedingten Typ-2-Diabetes. Dieser stellt wiederum einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Weizen kann somit nur auf sehr vielen Umwegen, und zwar hauptsächlich als Energieträger (wie auch Nüsse, Kartoffeln, Fleisch, Milchprodukte etc.) an Herz-Kreislauf-Erkrankungen beteiligt sein, und dies auf gar keinen Fall als alleiniges Nahrungsmittel.

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Lüge Nr. 3: Weizen macht alle Menschen ohne Ausnahme krank

Davis spricht in seinem Buch auch diejenigen Menschen an, die schon immer Weizen gegessen haben und sich völlig gesund fühlen bzw. normalgewichtig sind. Er schreibt, dass Weizen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt eine Spur der Verwüstung hinterlassen habe und zu den schädlichsten Nahrungsmitteln überhaupt zähle. Weizenesser würden sogar früher sterben. Dadurch verunsichert er auch die Menschen, die bislang Weizen sehr gut vertragen haben.

Was stimmt: Es gibt Erkrankungen, bei denen Menschen Weizen oder Getreide generell nicht vertragen. Dazu zählt z.B. die Zöliakie, bei der eine Unverträglichkeit gegen das Klebereiweiß (Gluten) im Getreide besteht. Schon kleinste Mengen sind für die Betroffenen gefährlich, da der Darm mit einer Entzündung reagiert, auf lange Sicht geschädigt wird und immer schlechter Nährstoffe und Vitamine resorbieren kann. Diese Diagnose kann medizinisch durch bestimmte Untersuchungen eindeutig gestellt werden. Hierzulande sind unter 1% aller Menschen von der Zöliakie betroffen 4)http://www.dzg-online.de/das-krankheitsbild.364.0.html; abgerufen am 18.09.2015. Außerdem gibt es noch die Weizenallergie, bei der das Immunsystem auf Weizen-Bestandteile reagiert. Dadurch kann es zu Magen-Darm-Beschwerden, Ausschlägen, Asthma etc. kommen. Auch dies kann durch einen Allergietest bestätigt werden. Auch hier sind nur sehr wenige Menschen betroffen (in Deutschland ca. 0,5%).5)http://www.unbeschwert-essen.de/allgemein/weizenallergie-bauchweh-nach-brot-und-broetchen; abgerufen am 18.09.2015 Dann gibt es noch die Weizensensitivität, bei der eine Unverträglichkeit gegenüber den Amylase-Trypsin-Inhibitoren des Weizens besteht. Auch hier treten Magen-Darm-Beschwerden, aber auch z.B. Kopfschmerzen und Müdigkeit auf. Diese Diagnose kann nur über einen Ausschluss von Zöliakie oder Allergie gestellt werden. Sie betrifft nach vorsichtigen Schätzungen etwa fünf Prozent der Bevölkerung 6)http://www.swr.de/odysso/weizensensitivitaet-eine-neue-krankheit/-/id=1046894/did=15504956/nid=1046894/7mkcjt/index.html; abgerufen am 18.09.2015.

Die meisten Menschen (ca. 90%) vertragen also Weizen ohne Probleme! 

!Eine aktuell erschienene skandinavische Studie7)Johnsen, Nina F.; Frederiksen, Kirsten; Christensen, Jane; Skeie, Guri; Lund, Eiliv; Landberg, Rikard et al. (2015): Whole-grain products and whole-grain types are associated with lower all-cause and cause-specific mortality in the Scandinavian HELGA cohort. In: The British journal of nutrition, S. 1–16. DOI: 10.1017/S0007114515001701., in der 120.010 (!) Menschen von 1992-1998 hinweg beobachtet wurden, zeigt sogar, dass ein hoher (Vollkorn-)Weizenverzehr das Sterberisiko insgesamt senkt! Auch das Risiko, an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben, ist nach dieser Studie geringer, wenn man die doppelte anstelle einer einfachen Portion Vollkornweizen verzehrt. Diese Ergebnisse könnten kaum zustande kommen, wenn die These von William Davis korrekt wäre.

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Kennt ihr das Buch von William Davis? Falls ja: Ich hoffe, ich konnte euch die Angst vor dem Weizen ein wenig nehmen. Seid gespannt auf einen weiteren Artikel, in dem ich auf den momentanen „Anti-Gluten“-Trend näher eingehen werde!

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. Murray, Joseph A.; Watson, Tureka; Clearman, Beverlee; Mitros, Frank (2004): Effect of a gluten-free diet on gastrointestinal symptoms in celiac disease. In: The American journal of clinical nutrition 79 (4), S. 669–673.
2. http://www.kup.at/journals/abbildungen/gross/1442.html; abgerufen am 17.09.2015
3. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/318392/umfrage/pro-kopf-konsum-von-weizenmehl-in-deutschland/; abgerufen am 17.09.2015
4. http://www.dzg-online.de/das-krankheitsbild.364.0.html; abgerufen am 18.09.2015
5. http://www.unbeschwert-essen.de/allgemein/weizenallergie-bauchweh-nach-brot-und-broetchen; abgerufen am 18.09.2015
6. http://www.swr.de/odysso/weizensensitivitaet-eine-neue-krankheit/-/id=1046894/did=15504956/nid=1046894/7mkcjt/index.html; abgerufen am 18.09.2015
7. Johnsen, Nina F.; Frederiksen, Kirsten; Christensen, Jane; Skeie, Guri; Lund, Eiliv; Landberg, Rikard et al. (2015): Whole-grain products and whole-grain types are associated with lower all-cause and cause-specific mortality in the Scandinavian HELGA cohort. In: The British journal of nutrition, S. 1–16. DOI: 10.1017/S0007114515001701.
2017-09-06T18:20:38+00:00 29 September 2015|Ernährungswissenschaft|0 Comments

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