Die fünf häufigsten Fehler bei Ernährungsthemen

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Die fünf häufigsten Fehler bei Ernährungsthemen

Wenn ich mich mit anderen Menschen über Ernährungsthemen unterhalte, wenn ich in anderen Blogs oder in den sozialen Medien wie facebook und instagram stöbere, stoße ich zum Teil auf haarsträubende Annahmen und Empfehlungen in Bezug auf unsere Ernährung. Am häufigsten ist es dann der Fall, dass die getroffenen Aussagen wissenschaftlich nicht untermauert werden können. Sie sind entweder niemals mittels Studien überprüft worden oder sie sind wissenschaftlich nicht haltbar, weil gegensätzliche Daten vorliegen.

Warum treffen Menschen dann dennoch wissenschaftlich nicht belegte oder falsche Behauptungen? Dafür gibt es verschiedene Gründe: Sie wollen sich nicht mit den wissenschaftlichen Fakten beschäftigen, weil sie die Wissenschaft nicht als ihre Wissensgrundlage ansehen wollen – aus welchen Gründen auch immer (z.B. weil ihre Aussagen besser bei den Menschen ankommen, weil sie damit Geld verdienen können, weil sie dadurch Aufmerksamkeit erhalten, weil sie dadurch ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen, usw.). Daneben ist es aber auch möglich, dass sie die Regeln wissenschaftlicher Praxis einfach nicht kennen, und Aussagen von Personen oder aufgeschnappten Informationen aus den Medien so vertrauen, dass sie diese ohne zu hinterfragen übernehmen. Und zuletzt ist es auch möglich, dass sie zwar wissenschaftliche Belege anführen, jedoch Studien einfach falsch deuten bzw. falsche Schlüsse daraus ziehen – ob ganz bewusst oder auch unbewusst.

Ich möchte in diesem Beitrag darauf aufmerksam machen, wie wichtig eine korrekte wissenschaftliche Arbeitsweise in Bezug auf Ernährungsthemen bzw. im Rahmen einer Ernährungsberatung ist, da von ihr die Effektivität, der Erfolg und – sehr wichtig – auch die Sicherheit einer bestimmten Ernährungsweise abhängt. Ich möchte das Bewusstsein schärfen für Behauptungen, die ohne Belege daherkommen, die von Menschen getroffen werden, die der Wissenschaft keine Beachtung schenken, aber auch für solche, die auf den ersten Blick zwar wissenschaftlich erscheinen, die aber Belege nur anführen, um seriöser zu wirken und in Wahrheit unhaltbare Aussagen treffen.

Eins noch vorneweg: Mir geht es nicht darum, die Wissenschaft über alles zu stellen. Studien können schlecht durchgeführt werden, fehlerbehaftet sein, sogar gefälscht werden. Aber die Wissenschaft stellt zumindest die Prinzipien bereit, die es uns ermöglichen können, Handlungsempfehlungen für unsere Ernährung abzuleiten. Ohne jene stehen wir vollkommen ratlos dar. Es liegt an uns, Studien kritisch zu bewerten, zu interpretieren, gegebenenfalls für uns als irrelevant zu klassifizieren, oder diese auch als sinnvoll für uns anzunehmen. Die Wissenschaft ist also keine Religion, die uns unverrückbare Glaubenssätze an die Hand gibt, sondern nur eine Orientierung – die verlässlichste, die wir haben! – für unsere richtige Ernährung.

1 | „Kopfstudien“ als Beweisgrundlage heranziehen

Sehr häufig treffe ich in den Medien auf die Argumentationsstruktur, dass eine Behauptung durch den Verweis auf das vermeintlich Offensichtliche unterfüttert wird. Beispiel: Es wird auf die hartnäckigen Fettverkrustungen nach dem Braten und Kochen hingewiesen, die sicherlich fast jeden schon einmal in die „Schrubb-Wut“ getrieben haben. Dies wird auf den menschlichen Körper übertragen: Man könne sich ja vorstellen, was Fett und Öl erst im menschlichen Magen-Darm-Trakt anrichteten, wie sie ihn verkleben würden, wenn man schon Chemie bräuchte, um die Verkrustungen aus der Pfanne zu lösen. Das Fazit: Öl sei schlecht. Ähnlich auch die Vorstellung von sogenannten toxinbelasteten „Schlacken“, von denen unser Körper befreit werden müsse. Dies sind Vorstellungen, die sich ein Mensch macht, wenn er zwar Erfahrungen in der ihm bekannten Welt sammelt, jedoch sehr wenig Kenntnisse darüber besitzt, wie ein menschlicher Organismus physikalisch, biochemisch und biologisch funktioniert. Das Problem: Man wird in der Wissenschaft keine Aussagen finden wie: „Öl verklebt den menschlichen Darm nicht“. Dass diese Aussage dennoch wissenschaftlich korrekt ist, kann man nur dadurch erkennen und wissen, dass man die Grundlagen menschlicher Verdauung versteht. Das oben genannte Beispiel lässt sich also nur von solchen Menschen widerlegen, die von vornherein wissenschaftlich arbeiten und einen speziellen wissenschaftlichen Hintergrund besitzen. Menschen ohne einen solchen schließen sich dagegen Behauptungen wie „Öl ist schlecht.“ ohne Vorbehalte an und lassen sich schwer vom Gegenteil überzeugen. So wächst der „Glaubenskreis“ um solche Ernährungsmythen.

Oft liegen solchen „Kopfstudien“ auch bestimmte Prinzipien wie z.B. „Natürlichkeit“ zugrunde. Dieses Prinzip wird dann zur Grundlage, die alles entscheiden und erklären kann. So sei Öl nicht „natürlich“, da kein „ganzes Lebensmittel“ und demzufolge schlecht, die Paleo-Ernährung sei dagegen „natürlich“, da seit Jahrtausenden von Menschen verfolgt, und demzufolge vorzuziehen. Das Gehirn des Menschen sei durch jahrtausendelangen „natürlichen“ Fleischverzehr so funktionsfähig geworden, wie es heute ist, eine rein pflanzliche Ernährung lasse es daher wieder schrumpfen1)aktueller BILD-Artikel, http://www.bild.de/bild-plus/ratgeber/kind-familie/ernaehrung/ernaehrung-von-kindern-geschrumpftes-hirn-durch-veganismus-47803082,view=conversionToLogin.bild.html, abgerufen am 17.09.2016. Die Wissenschaft bestätigt derartige konstruierte Prinzipien jedoch zumeist nicht. Eine „natürliche“ Substanz oder Ernährung kann in einer Studie vorteilhaft sein, eine andere „natürliche“ Nahrung kann sich dagegen unter Umständen als gefährlich erweisen – nur ein Beispiel, wie wichtig der Fokus auf wissenschaftliche Studien für uns sein kann.

2 | Vom Inhaltsstoff aufs ganze Lebensmittel schließen

Ein weiterer Aussagentyp, auf den ich häufig stoße, ist der, dass bestimmte Eigenschaften von Inhaltsstoffen von Lebensmitteln gleich auf das ganze Lebensmittel übertragen werden. Beispiel: Im Experiment wurde ermittelt, dass 6-Shogaol, ein Inhaltsstoff in Ingwer, Darmkrebszellen abtöten kann2)Qi, Lian-Wen; Zhang, Zhiyu; Zhang, Chun-Feng; Anderson, Samantha; Liu, Qun; Yuan, Chun-Su; Wang, Chong-Zhi (2015): Anti-Colon Cancer Effects of 6-Shogaol Through G2/M Cell Cycle Arrest by p53/p21-cdc2/cdc25A Crosstalk. In: The American journal of Chinese medicine 43 (4), S. 743–756. DOI: 10.1142/S0192415X15500469.. Da Ingwer 6-Shogaol enthält, soll demzufolge Ingwer gegen Krebs schützen. Empfehlung: Viel Ingwer essen, damit man keinen Krebs bekommt. Diese Argumentationsfolge ist jedoch nicht korrekt, so sehr man sich es auch wünschen möge. Ein ganz einfaches Beispiel: Natriumchlorid, also normales Salz, kann als einzelne Substanz Brechreiz auslösen und sogar tödlich sein. In einer Prise eingesetzt, wird es jedoch essentiell für jedes Gericht, denn ohne dieses „fehlt“ einfach etwas. Als einzelne Substanz also hat es eine schädliche Wirkung, in der Kombination mit weiteren Substanzen, z.B. Gemüse in einer Suppe ist es jedoch für den „runden“ Geschmack zuständig und führt daher zu genussvollem Essen. Genauso ist es möglich, dass 6-Shogaol zwar Krebszellen abtöten mag, im Ingwer selbst aber Substanzen enthalten sind, die das Wachstum von Krebszellen fördern. In dem Fall hängt es also von der Wirkkraft der einzelnen Inhaltsstoffe ab, ob sie sich neutralisieren oder ob eine Wirkung – krebshemmend oder krebsfördernd – überwiegt. Was stimmt, kann nur ermittelt werden, indem eine Studie mit Ingwer als Ganzem durchgeführt wird. Man kann nur Aussagen über diejenigen Dinge treffen, mit denen in der Studie auch tatsächlich gearbeitet wurde. Wenn mit 6-Shogaol experimentiert wurde, so lassen sich ausschließlich Aussagen über die Wirkung von 6-Shogaol treffen, jedoch nicht über Lebensmittel, die diesen Inhaltsstoff enthalten. Interventionelle Studien, also Studien, die sich anschauen, ob bestimmte Maßnahmen Wirkungen zeigen, werden weitaus seltener mit ganzen Lebensmitteln als mit bestimmten einzelnen Substanzen durchgeführt. Um die Wirkung von ganzen Lebensmitteln zu untersuchen, werden viel häufiger epidemiologische Studien herangezogen, also Studien, die über Fragebögen Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und Erkrankungen herstellen. Dies ist aufgrund von Fehler Nr. 3 häufig ein Problem:

3 | Korrelation mit Kausalität gleichsetzen, Effektstärke vernachlässigen

Epidemiologische Beobachtungsstudien untersuchen Assoziationen, d.h. sie untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen einem bestimmten Lebensmittel oder einer Ernährungsweise überzufällig häufig gleichzeitig mit einer Erkrankung oder einem Symptom auftritt. Häufig wird auch die Sterberate (Mortalität) in einen Zusammenhang gesetzt. Im Rahmen dieser Studien wird zumeist die relative Wahrscheinlichkeit angegeben. Ein fiktives Beispiel: Von 1000 Menschen, die 10 Jahre täglich 100 g Fleisch gegessen haben, bekamen rückblickend 50 Darmkrebs, diejenigen, die kein Fleisch gegessen haben, dagegen 25. Diejenigen, die Fleisch gegessen hatten, hatten also ein 50% geringeres relatives Risiko, Darmkrebs zu bekommen. Daraus könnte man nun die reißerische Überschrift „Fleisch verursacht Darmkrebs“ machen. Die Beobachtungsstudie lässt diese Aussage aber streng genommen nicht zu. Alles, was sie sagt, ist, dass ein Verzehr von Fleisch mit einem häufigeren Auftreten von Darmkrebs korreliert. Fleisch verursacht aber nicht notwendigerweise Darmkrebs. Es könnte theoretisch sein, dass Fleisch sehr häufig mit einem bestimmten Gewürz, z.B. Paprika gewürzt wird, welches der eigentliche „Übeltäter“, nämlich Krebsverursacher ist. Dieses Gewürz wurde jedoch in unserer fiktiven Studie nicht in den Befragungsbogen aufgenommen. Dann würde das Gewürz den Darmkrebs verursachen, und allein die Tatsache, dass das Fleisch immer mit Paprika gewürzt wird, in der Studie zu dem Eindruck führen, dass es das Fleisch ist, welches Krebs verursacht. Wer wissenschaftlich arbeitet, leitet also keine Kausalaussagen aus derartigen Studienergebnissen ab.

Genau genommen untersucht man in Studien stets nur die Korrelation, da Kausalität ein wissenschaftlich nicht erfassbares Prinzip ist. Es gibt aber Studientypen, die sich zumindest einem Kausalzusammenhang stärker annähern als die genannten Beobachtungsstudien, die häufig für ganze Lebensmittel eingesetzt werden. Dazu zählen sogenannte Interventionsstudien. Um das oben genannte Fleisch-Beispiel in eine solche umzuwandeln, müsste man Probanden in zwei Gruppen aufteilen, von denen eine Fleisch isst, die andere nicht. Dann würde man beobachten, welche Gruppe eher Darmkrebs entwickelt. Da ein derartiger Versuchsaufbau am Menschen schwer umzusetzen ist, wählt man für Fragestellungen in Bezug auf Ernährungsweisen und ganze Lebensmittel bevorzugt epidemiologische Beobachtungsstudien, die dann von den Medien gerne reißerisch verwertet werden.

Was bei der Interpretation ebenfalls zum Tragen kommt: Viele unterschätzen dabei die Effektstärke. Um nochmal auf das obige fiktive Fleisch-Beispiel zurückzukommen: Ein um 50% höheres Darmkrebsrisiko als Fleischesser verglichen mit Vegetariern hört sich ziemlich erschreckend an! Dabei bezieht sich die Prozentzahl aber auf das sogenannte relative Risiko (25 vs. 50 Darmkrebspatienten). Absolut gesehen (50 von 1000) ist das absolute Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, auch für Fleischesser mit 5% wahrscheinlich nicht so hoch, dass die meisten dadurch zu Vegetariern werden würden (absolutes Risiko für Vegetarier: 2,5%). Oft wird das in der Interpretation unterschlagen und nur auf das relative Risiko eingegangen, das ja hier mit 50% hoch erscheint und Gelegenheit für eine aufmerksamkeitserregende Schlagzeile bietet.

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4 | In-vitro-Studien (oder Tierexperimente) auf den ganzen Menschen anwenden

Zusammen mit Fehler Nr. 2 wird häufig auch folgender Fehler begangen, da beide in enger Verbindung stehen: Substanzen, die im Reagenzglas (= in vitro) einen Effekt zeigen, sollen diesen auch im Menschen ausüben. Das beeindruckendste Beispiel ist hier sicherlich der Fall des Heilpraktikers Klaus Ross in Brüggen, der Menschen vermutlich mit einer Substanz (3-Bromopyruvat) vergiftete, die im Reagenzglas eine abtötende Wirkung auf Krebszellen hat. Warum diese Übertragung nicht so ohne weiteres funktioniert, ist vor allem zwei Umständen geschuldet: Zum einen werden in In-Vitro-Studien häufig Wirkstoffkonzentrationen verwendet, die kaum im Menschen erreicht werden können. Im Reagenzglas hat man die Möglichkeit, Unmengen von Wirkstoff direkt auf die Zellen aufzutragen. Im Menschen wird die Substanz auf die gesamte Körpermasse verteilt und erreicht unter Umständen sogar nicht einmal den gewünschten Wirkort, etwa weil sie schlecht wasser- oder fettlöslich ist. Auch muss man im Reagenzglas nicht eventuelle Nebenwirkungen auf Organe beachten, die im Menschen relevant werden könnten. Man kann im Organismus also teilweise von vornherein gar keine so hohe Dosis ansetzen, weil dies entweder schädlich wäre, oder die Wirkung aufgrund anderer körperlicher Beeinflussungen wieder relativieren würde. Die menschlichen Organe sind zudem auch nicht nur aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen „im Weg“, sondern auch dadurch, dass sie eine Stoffwechselaktivität zeigen. Wohingegen eine Substanz im Reagenzglas dauerhaft auf einzelne Zellen oder Gewebe einwirken kann, muss im menschlichen Körper damit gerechnet werden, dass sie durch das Blut von der Wirkstelle entfernt wird, dass sie durch die Leber abgebaut, durch die Niere ausgeschieden wird usw. Im Rahmen dieser Verstoffwechselung können auch Zwischenprodukte entstehen, die jeweils eigene Wirkungen aufweisen – ein Prozess, der im In-vitro-Versuch völlig außen vor bleibt. Manche Substanzen können beispielsweise nicht einmal in die Blutbahn gelangen, da sie bei oraler Aufnahme schon im Magen-Darm-Trakt abgebaut werden. Wer also, um auf das Ingwer-Beispiel zurückzukommen, glaubt, mit der Einnahme von purem 6-Shogaol Darmkrebs zu verhindern, tut dies ohne wissenschaftliche Grundlage, da sein Körper eben nicht das Reagenzglas ist, in dem der Effekt von 6-Shogaol auf Darmkrebszellen untersucht wurde. Es ist theoretisch möglich, dass 6-Shogaol in Kapselform eingenommen niemals den Darm erreicht, da es bereits im Magen abgebaut werden könnte. Unglücklicherweise machen sich dies viele Menschen nicht bewusst und vertrauen so den ja „wissenschaftlich“ untermauerten Werbesprechen von Supplement-Herstellern.

5 | Studienaufbau nicht berücksichtigen

Oft wird bei der Recherche nur schnell der eindeutigste Satz aus der Schlussfolgerung herausgefischt, ohne sich wirklich den exakten Studienaufbau anzuschauen. Auch dies kann aus mangelnder Sorgfältigkeit oder auch aus vollster Absicht heraus geschehen. Ein Beispiel für letzteres: In seinem Buch „Weizenwampe – warum Weizen dick und krank macht“ nennt der US-Autor William Davis eine Studie der Mayo-Klinik3)Murray, Joseph A.; Watson, Tureka; Clearman, Beverlee; Mitros, Frank (2004): Effect of a gluten-free diet on gastrointestinal symptoms in celiac disease. In: The American journal of clinical nutrition 79 (4), S. 669–673., in der u.a. der Gewichtsverlauf von 215 Patienten mit neu diagnostizierter Zöliakie erfasst wurde. Er führt an, dass 25 stark übergewichtige Patienten unter einer weizen- und glutenfreien Diät innerhalb von 6 Monaten 12,5 kg abnahmen – ein guter Beleg, um seine These zu stützen, dass Weizen dick mache und ein Verzicht somit zur Abnahme führe. Was er dagegen nicht erwähnt, ist der generelle Aufbau der Studie: Fast 75 % aller Probanden waren nämlich normal- bzw. sogar untergewichtig und nahmen unter der neuen Diät stattdessen zu. Es werden bei diesem Beispiel gleich zwei Prinzipien verletzt: Zum einen werden wichtige Aussagen der Studie unterschlagen, zum anderen wird hier versucht, eine Studienaussage in Bezug auf eine spezifische Gruppe von Menschen, nämlich solche mit Zöliakie, auf die Allgemeinheit anzuwenden. Es wird hier also vorgegeben, dass die Studie Schlussfolgerungen zulasse, welche jedoch keineswegs durch jene gestützt werden.

Derselbe Stoff kann bei verschiedenen Personengruppen, in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich – nämlich einmal positiv, einmal negativ wirken. Was zur Vorbeugung von Krebs eingesetzt wird, muss nicht notwendigerweise auch bei einer Krebserkrankung helfen, im Gegenteil, es könnte sogar schädlich sein (vermutet wird dies beispielsweise für Antioxidantien4)Lawenda, Brian D.; Kelly, Kara M.; Ladas, Elena J.; Sagar, Stephen M.; Vickers, Andrew; Blumberg, Jeffrey B. (2008): Should supplemental antioxidant administration be avoided during chemotherapy and radiation therapy? In: Journal of the National Cancer Institute 100 (11), S. 773–783. DOI: 10.1093/jnci/djn148.5)Norman, Helen A.; Butrum, Ritva R.; Feldman, Elaine; Heber, David; Nixon, Daniel; Picciano, Mary Frances et al. (2003): The role of dietary supplements during cancer therapy. In: The Journal of nutrition 133 (11 Suppl 1), 3794S-3799S.6)Ladas, Elena; Kelly, Kara M. (2010): The antioxidant debate. In: Explore (New York, N.Y.) 6 (2), S. 75–85. DOI: 10.1016/j.explore.2009.12.008.). Was für Nichtraucher unschädlich oder sogar gesund ist, kann für Raucher verheerende Auswirkungen haben (z.B. die Supplementierung mit beta-Carotin7)Goralczyk, Regina (2009): Beta-carotene and lung cancer in smokers: review of hypotheses and status of research. In: Nutrition and cancer 61 (6), S. 767–774. DOI: 10.1080/01635580903285155.).

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Ich hoffe, ich konnte ein wenig die Augen öffnen für die möglichen falschen Versprechen, die reißerischen Überschriften und gewagten Thesen, die in den Medien und sozialen Netzwerken mitunter umherschwirren. Falls ihr Theorien oder Behauptungen findet, die ihr gerne hinterfragen würdet, schreibt mich gerne an und wir überprüfen die Richtigkeit der Behauptung gemeinsam! In meiner Serie „Die Lügen der Medien“ gehe ich übrigens ganz speziell auf so einige Falschaussagen ein. Vielleicht werft ihr ja mal einen Blick in den ein oder anderen Artikel? :)

Alimonia

Literatur   [ + ]

1. aktueller BILD-Artikel, http://www.bild.de/bild-plus/ratgeber/kind-familie/ernaehrung/ernaehrung-von-kindern-geschrumpftes-hirn-durch-veganismus-47803082,view=conversionToLogin.bild.html, abgerufen am 17.09.2016
2. Qi, Lian-Wen; Zhang, Zhiyu; Zhang, Chun-Feng; Anderson, Samantha; Liu, Qun; Yuan, Chun-Su; Wang, Chong-Zhi (2015): Anti-Colon Cancer Effects of 6-Shogaol Through G2/M Cell Cycle Arrest by p53/p21-cdc2/cdc25A Crosstalk. In: The American journal of Chinese medicine 43 (4), S. 743–756. DOI: 10.1142/S0192415X15500469.
3. Murray, Joseph A.; Watson, Tureka; Clearman, Beverlee; Mitros, Frank (2004): Effect of a gluten-free diet on gastrointestinal symptoms in celiac disease. In: The American journal of clinical nutrition 79 (4), S. 669–673.
4. Lawenda, Brian D.; Kelly, Kara M.; Ladas, Elena J.; Sagar, Stephen M.; Vickers, Andrew; Blumberg, Jeffrey B. (2008): Should supplemental antioxidant administration be avoided during chemotherapy and radiation therapy? In: Journal of the National Cancer Institute 100 (11), S. 773–783. DOI: 10.1093/jnci/djn148.
5. Norman, Helen A.; Butrum, Ritva R.; Feldman, Elaine; Heber, David; Nixon, Daniel; Picciano, Mary Frances et al. (2003): The role of dietary supplements during cancer therapy. In: The Journal of nutrition 133 (11 Suppl 1), 3794S-3799S.
6. Ladas, Elena; Kelly, Kara M. (2010): The antioxidant debate. In: Explore (New York, N.Y.) 6 (2), S. 75–85. DOI: 10.1016/j.explore.2009.12.008.
7. Goralczyk, Regina (2009): Beta-carotene and lung cancer in smokers: review of hypotheses and status of research. In: Nutrition and cancer 61 (6), S. 767–774. DOI: 10.1080/01635580903285155.
2017-09-06T18:20:36+00:00 17 September 2016|Ernährungswissenschaft, Psychologie|0 Comments

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